Erich Sixt

Zu große Abhängigkeit von China Sixt-Chef: Das E-Auto ist ein Fehler

Stand: 29.05.2018, 14:53 Uhr

Der Sixt-Chef wettert gegen das E-Auto. Zu geringe Reichweite, zu hohe Kosten für die Lade-Infrastruktur. Und das schlimmste: Man braucht für die Batterien Lithium und Kobalt - und da begibt man sich in chinesische Hand.

Der Chef und Großaktionär von Deutschlands größtem Autovermieter Sixt hält wenig von Elektroautos. Er spricht gar von einem schweren politischen Fehler. Der 73-Jährige verwies unter anderem darauf, dass wichtige Rohstoffe wie Kobalt für die Batterien in chinesischer Hand seien.

Ohne Rohstoffe wie Lithium und Kobalt läuft nichts im E-Auto. Sie stecken in den Akkus. Doch weil sie knapp sind und hoch begehrt, ist ihr der Preis rasant gestiegen.

Zudem verschlinge der Aufbau der Lade-Infrastruktur viel Geld. "Die Reichweite ist nach wie vor eine Katastrophe. Sie müssen hier Abermilliarden investieren." Dabei ist die Akzeptanz noch mäßig. Bei Sixt seien Elektroautos als Mietwagen kaum gefragt, nur von wenigen Kunden, die sie ausprobieren wollten.

Trend E-Auto

Auch in der Heimat des Elektroauto-Pioniers Tesla seien die Fahrzeuge als Mietwagen nicht stärker nachgefragt, sagte Sixt. "Wohlhabende legen sich einen Tesla zur Gewissens-Beruhigung zu."

Einzige Ausnahme sei die Ferieninsel Sylt, wo Sixt eine Flotte von rund 200 BMW i3 und i8 vorhalte. "Da würde ich sofort eines mieten - das ist leise und passt gut in die Landschaft."

Trend Carsharing

Forscher ist Sixt beim Trend Carsharing. Um seine Autos dafür nutzen zu können, rüstet Sixt sie derzeit mit Telematik-Systemen aus. Damit macht das Unternehmen aus Pullach bei München seinem bisherigen Partner BMW Konkurrenz machen. Bis Jahresende sollen 40.000 Sixt-Autos in Deutschland über eine App anzumieten sein. Das sei weit mehr als alle Carsharing-Anbieter zusammen hätten.

Sixt hatte seine 50-Prozent-Beteiligung an der Carsharing-Firma DriveNow für 209 Millionen Euro an BMW verkauft. BMW will sich in dem Geschäft mit dem Konkurrenten Daimler zusammentun, der den Minderheitsanteil des französischen Sixt-Konkurrenten Europcar an car2go erworben hatte.

Der Verkauf der DriveNow-Beteiligung spülte Sixt 196 Millionen Euro in die Kasse. Das schönerte den Gewinn. Der Vorsteuergewinn stieg im ersten Quartal auf 244 Millionen Euro. Aber auch so kann sich die Zwischenbilanz sehen lassen. Wenn man den positiven Sondereffekt von DriveNow herausrechnet, stieg der Gewinn vor Steuern um 31 Prozent auf 48 Millionen Euro. Das kräftige Wachstum geht nicht zu Lasten der Profitabilität.

Trend Digitalisierung

Auch bei der Digitalisierung bleibt der Autovermieter am Ball. Sixt arbeite "intensiv an der weiteren Digitalisierung unserer Vermietflotte, um unseren Kunden vernetzte Mobilitätsservices aus einer Hand anzubieten", sagte der Vorstandschef.

Für das Gesamtjahr ist er sehr optimistisch, so Erich Sixt. Der Auslandsanteil soll weiter zulegen, und Konzernumsatz und Gewinn vor Steuern dürften deutlich steigen, erklärte er.

Analysten zeigten sich zufrieden. Die Commerzbank erneuerte die Kaufempfehlung für die Sixt-Aktie mit einem Kursziel von 125 Euro belassen. Die finalen Resultate des Autovermieters hätten den starken vorläufigen Eckdaten entsprochen, schrieb Analystin Sabrina Taneja in einer am Dienstag vorliegenden Studie.

Die Sixt-Aktie

An der Börse allerdings nahmen Investoren die Zahlen zum Anlass, die Aktie zu verkaufen. Gewinne realisieren, lautete das Motto. Die Aktie hatte aber auch gerade erst, Mitte Mai, ein Rekordhoch von 116,40 Euro erreicht. Heute notiert sie bei etwas über 107 Euro.

bs