Erich Sixt auf der Bilanzpressekonferenz am 18.03.2019

Nach der Insolvenz des US-Konkurrenten Sixt: Verfrühte Freude über Hertz-Pleite?

Stand: 25.05.2020, 12:52 Uhr

Nach der am Wochenende bekannt gewordenen Insolvenz des US-Autovermieters Hertz springt die Aktie des deutschen Konkurrenten Sixt heute in die Höhe. Wenn das mal nicht zu hoch gesprungen ist.

Tatsächlich klettern die Stammaktien von Sixt heute über die Marke von 70 Euro - und erreichen damit ein neues Hoch nach dem Corona-Crash. In den vier Wochen bis Mitte März waren sie um zwei Drittel auf 33,30 Euro eingebrochen, konnten sich aber seither wieder mehr als verdoppeln.

Dass die Papiere heute zulegen, erklären Händler sowohl mit der Insolvenz des Konkurrenten Hertz als auch mit den zunehmenden Lockerungen. Hertz hatte am Wochenende für insgesamt 30 Tochterfirmen Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts beantragt. Die Idee hinter diesem Verfahren ist, ein Unternehmen zu sanieren, während Geldgeber zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Damit ist also der Konkurrent vorerst nicht vom Markt. Auch sind die europäischen Töchter von Hertz zunächst nicht von der Pleite der US-Mutter betroffen.

Gefürchteter Aktionär Carl Icahn

Trotzdem ist das Unternehmen erstmal geschwächt, das Vertrauen lädiert. Auch steht längst nicht fest, ob und wann Hertz die Krise überwinden wird. So schleppt die Firma seit einer zeitweisen Übernahme durch Finanzinvestoren vor rund 15 Jahren eine hohe Schuldenlast mit sich herum. Auch die Übernahme von Dollar und Thrifty 2012 kostete mehr als zwei Milliarden Dollar.

Seitdem gab es mehrere Chefwechsel und Hertz steckte zuletzt in der Verlustzone fest. Erst vor wenigen Tagen warf die als Saniererin angetretene Firmenchefin Kathryn Marinello das Handtuch. Ein Großaktionär ist der für seine harte Gangart gegenüber dem Management bekannte Investor Carl Icahn, der fast 40 Prozent der Anteile hält.

Lockerungen machen Hoffnung

Gut möglich also, dass andere Autovermieter von den Problemen bei Hertz profitieren. Bei Sixt setzen Anleger zudem auf eine Normalisierung im Tourismus - untermauert vom Optimismus des Tui-Vorstandschef Fritz Joussen in einem Interview mit der "Rheinischen Post".

"Es wird eine Dynamik der Öffnungen geben, weil es keinen Grund für einen dauerhaften Lockdown des Tourismus gibt", hatte Joussen gesagt, und angekündigt, dass pünktlich zu den Sommerferien wieder Reiseziele angeflogen werden.

"Verheerendes zweites Quartal"

Dennoch könnte die Freude der Sixt-Anleger verfrüht sein. An der Börse wird zwar die Zukunft gehandelt, doch bei Sixt müssen sie zweifellos geduldig sein. Der größte deutsche Autovermieter ist im ersten Quartal in die roten Zahlen gerutscht und hat "ein verheerendes zweites Quartal eingeplant". Ein Stellenabbau mit Schließungen von Stationen ist bisher aber nicht vorgesehen. Er rechne damit, dass im zweiten Halbjahr das Geschäft wieder anziehe, sagte Vorstandschef Erich Sixt.

Auch Metzler-Analyst Stephan Bauer sieht laut einer am Freitag vorgelegten Studie Licht am Ende des Tunnels für den Autovermieter. Er begründete dies mit den allgemeinen Lockerungen und den Reiseerleichterungen in zahlreichen europäischen Ländern. Auch haben sich die Schengen-Staaten auf einen Wegfall der Grenzkontrollen ab dem 15. Juni geeinigt. Bauer stufte die Sixt-Titel deshalb von "Hold" auf "Buy" hoch und hob sein Kursziel von 53 auf 80 Euro an. Damit sieht er ein Kurspotenzial von derzeit rund 15 Prozent.

lg