Wirecard-Zentrale in Aschheim

Vorgetäuschte Guthaben Wirecard: Erste Anklage in Singapur

Stand: 07.08.2020, 14:15 Uhr

Der Wirecard-Skandal könnte auch in Singapur zu juristischen Konsequenzen führen. Der Chef der Firma Citadelle Corporate Services ist wegen Dokumentenfälschung in Zusammenhang mit Wirecard angeklagt worden.

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Der Anklageschrift zufolge soll der 54-jährige R. Shanmugaratnam in den Jahren 2016 und 2017 Briefe vorgelegt haben, in denen er Wirecard Guthaben über Summen von 30 Millionen Euro bis 177 Millionen Euro bescheinigte. Die Konten seien aber leer gewesen, die Briefe seien "in betrügerischer Absicht" verfasst worden, heißt es in der Anklage.

In Singapur hatten die Behörden im Juli Ermittlungen aufgenommen. Im Zentrum steht die Citadelle Corporate Services. Die Anklage gegen den Chef der Firma, Shanmugaratnam, wurde den Gerichtspapieren zufolge im Juli erhoben.

Singapur: Seit Juli wird ermittelt, schon jetzt wird angeklagt.

Singapur: Seit Juli wird ermittelt, schon jetzt wird angeklagt.. | Bildquelle: picture alliance / chromorange

Luftgeschäfte auf den Philippinen

Bei Wirecard fehlen insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die der Konzern in seiner Jahresbilanz 2019 auf der Habenseite verbuchen wollte - das Ergebnis wahrscheinlich nicht existierender Luftgeschäfte mit Subunternehmern in Südostasien und im Mittleren Osten.

Das vermisste Geld sollte sich eigentlich auf philippinischen Treuhandkonten befinden, ein philippinischer Anwalt hatte das Treuhandmandat erst im vergangenen November von einer Singapurer Firma übernommen. Im Juni stellte sich dann heraus, dass weder die Milliarden noch die Treuhandkonten existierten.

Ermittlungen werden dauern

Jüngste Berichte über den Tod eines deutschen Managers in Manila, dessen Verbindungen zu dem Skandal geprüft werden, bestätigten die philippinischen Behörden zunächst nicht. Der 45-Jährige soll ein enger Vertrauter von Jan Marsalek gewesen sein, dem flüchtigen Ex-Finanzvorstand von Wirecard. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, der Mann sei Ende Juli in Manila gestorben.

Jan Marsalek

Jan Marsalek. | Bildquelle: Wirecard

Der Deutsche gelte im Rahmen der Ermittlungen auf den Philippinen als eine von mehr als 50 "Personen und Organisationen von Interesse", sagte AMLC-Direktor Racela. Die AMLC ist eine Anti-Geldwäsche-Behörde. Er sei aber bisher nicht vorgeladen worden und gehöre nicht automatisch zu den Verdächtigen. Racela fügte hinzu: "Wir werden zu gegebener Zeit neue Angaben veröffentlichen." Derart komplexe Untersuchungen dauerten normalerweise Monate.

ts/AFP/dpa-AFX