Short-Sale

Experte sieht Logikfehler Sind Shortseller wirklich Teslas schlimmster Feind?

Stand: 12.11.2018, 16:00 Uhr

Tesla-Boss Elon Musk ist der Meinung, sogenannte Shortseller zerstören die Aktie des Unternehmens und beeinflussen den Kurs. Ein Experte hält dagegen und spricht von einem Missverständnis.

Shortseller sind spekulative Anleger, die gegen bestimmte Aktien - in diesem Fall die von Tesla - wetten. Die Tesla-Titel zählen zu den Aktien, gegen die in den USA am häufigsten gesetzt wird. Hedgefondslegenden wie David Einhorn oder Investmentmanager Jim Chanos gehören dieser Gruppe an.

Bei Leerverkäufen hoffen Investoren auf fallende Kurse von Wertpapieren. Sie verkaufen Aktien, die sie sich zuvor etwa bei Fonds ausgeliehen haben. Das Kalkül dahinter: Sinkt der Kurs, können sie die Titel später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen und dem eigentlichen Besitzer zurückgeben. Den Differenzbetrag zwischen Verkaufs- und späterem Rückkaufkurs streichen sie als Gewinn ein. Die Fonds machen dieses Spiel mit, weil sie die Aktie langfristig im Bestand halten wollen. Für die Ausleihe erhalten sie vom Leerverkäufer eine Gebühr.

Grafische Darstellung wei ein Leerverkäufer arbeitet
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Wie funktionieren Leerverkäufe?

Milliardär Einhorn verglich den Elektroautobauer jüngst mit der gescheiterten Bank Lehman Brothers: "Wie bei Lehman glauben wir, dass die Täuschung Tesla bald einholen wird." Einhorn lieh sich Tesla-Aktien, verkaufte diese an der Börse, in der Hoffnung, dass er sie später zu einem günstigeren Aktienkurs zurückkaufen kann. Der Schuss ging jedoch zuletzt nach hinten los.

Jeder Twitter-User, der Elon Musk auf der sozialen Plattform folgt, kennt die Meinung des Tesla-Chefs. Immer wieder twittert Musk gegen Shortseller. Sie seien Teslas schlimmster Feind. Selbst die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC bezeichnete er vor kurzem als "Shortseller Enrichment Commission" statt "Security and Exchange Commission" und unterstellte ihnen damit, Spekulanten zuzuarbeiten, die von einem Kursverfall der Tesla-Papiere profitieren.

Musk ändert Meinung über Leerverkäufe

Elon Musk

Elon Musk. | Bildquelle: Imago

Häufig schon waren Leerverkäufer Ziel von Musks Twitter-Zorn. Dabei verteidigte er sie noch im Jahr 2012. Obwohl sie ihm Kummer bereiteten, würde er das Recht auf Short-Investments verteidigen, schrieb er damals. Sie würden oft übertrieben schlecht gemacht. Anfang Oktober ruderte der Tesla-CEO aber zurück und twitterte, dass die vergangenen Jahre ihn gelehrt hätten, dass sie in der Tat bösartig sind. Leerverkäufe sollten seiner Ansicht nach illegal sein.

Wenn Tesla-Aktien zu Short-Zwecken geliehen werden, verringert das laut Musk die tatsächliche Eigenkapitalrendite. "Es verwässert die Aktionärsbasis und gibt der Short-Position einen starken Anreiz, das Unternehmen mit allen möglichen Mitteln anzugreifen", argumentierte Musk in einer Reihe von Tweets.

Leihe von Aktie nicht automatisch Leerverkauf

Laut Bob Sloan von S3 Partners, einem New Yorker Finanztechnologie- und Analytikunternehmen, gibt es mehrere Fehler in Musks Logik. Er gehe davon aus, dass jeder, der Tesla-Aktien leiht, in die Short-Position geht. Außerdem schließe er fälschlicherweise daraus, dass ausstehende Aktien verwässert werden. "Musk ist da draußen und gibt bekannt, dass es größere Anteile für das Unternehmen schafft, und das stimmt einfach nicht", sagte Sloan in einem Interview mit dem "Business Insider".

Musks Ansicht sei ein prominentes Beispiel für ein großes Missverständnis: Die Idee, Aktien zu leihen, würde automatisch bedeuten, eine Short-Position einzugehen. "Nur weil jemand die Aktie geliehen hat, heißt das noch lange nicht, dass er als getätigter Leerverkauf in den Markt gelangt", so Sloan weiter. "Diese beiden Dinge unterscheiden sich sehr voneinander."

Es sei außerdem falsch, anzunehmen, dass Schwankungen bei der Leihe von Aktien einen direkten Einfluss auf den Aktienkurs haben, wie Musk das bereits mehrfach betonte. "Die Höhe des Kredits hat absolut nichts mit dem zu tun, was auf dem Markt abgewickelt wurde", sagte Sloan. "Es gibt wahrscheinlich zehn Dinge, für die eine Aktie geliehen werden kann, die nichts mit der Ausführung eines Leerverkaufs zu tun haben." Teslas Aktien würden weder durch Kreditaufnahme noch durch die Liquidität beeinträchtigt werden.

Neben Leerverkäufen werden Leihgeschäfte von Marktteilnehmern auch dafür genutzt, um vertragliche Verpflichtungen kurzfristig einzuhalten und eine bestimmte Aktie zu einem bestimmten Termin liefern zu können. Ausgeliehene Aktien können ebenfalls als Refinanzierungsinstrument direkt verkauft werden, um Liquidität aus dem Erlös zu erhalten.

Leerverkäufe als gesundes Korrektiv

Auch andere Experten verteidigen Leerverkäufe als wichtiges Korrektiv: So weisen zahlreiche wissenschaftliche Studien darauf hin, dass Leerverkäufer Kursexzesse nach oben abschwächen. Wie Märkte funktionieren, wenn es keine Leerverkäufer gibt, zeigt das Beispiel Immobilienmarkt: Hier sind Spekulationsblasen viel verbreiteter, die größten Börsen- und Wirtschaftskrisen hatten meist hier ihren Ursprung. Zudem können Leerverkäufer nicht auf Dauer gegen ein gesundes Papier oder gegen einen gesunden Staat spekulieren. Ihre Rechnung geht nur dann auf, wenn dort wirklich Korrekturbedarf besteht.

tb