Siemens-Zentrale in München
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Starker Schlussspurt vor der Abspaltung Siemens trotzt dem Gegenwind

Stand: 07.11.2019, 10:25 Uhr

Die Abschwächung der Weltwirtschaft kann Siemens wenig anhaben. Der Elektrokonzern hat im vierten Quartal überraschend deutlich Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die Aktie hebt ab.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat's mal wieder allen Zweiflern gezeigt: Mit einem fulminanten Schlussspurt haben die Münchner die Ziele für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr 2018/19 doch noch geschafft. Die bereinigte Ebitda-Marge von 11,5 Prozent lag im Prognose-Korridor von elf bis zwölf Prozent. Im August hatte Kaeser noch gewarnt, die obere Hälfte dieser Spanne sei kaum noch erreichbar.

10 Cent mehr Dividende

Der Auftragseingang kletterte im Geschäftsjahr 2018/19 um sieben Prozent auf 98 Milliarden Euro, der Umsatz legte um fünf Prozent auf 86,8 Milliarden zu. Der Nettogewinn schrumpfte indes trotz einer deutlich geringeren Steuerlast um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Die Siemens-Aktionäre sollen dennoch eine um zehn Cent auf 3,90 Euro erhöhte Dividende bekommen.

Im vierten Quartal 2018/19 erhöhte sich der Umsatz um acht Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) im Industriegeschäft nahm um ein Fünftel auf 2,6 Milliarden Euro zu. Ohne Kosten für Personalabbau stieg die entsprechende Marge um 0,5 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent.

Software und Medizintechnik als Gewinntreiber

Zum Ergebniswachstum trugen alle Bereiche mit Ausnahme des Windanlagenbauers Siemens Gamesa bei. Stark zeigte sich das Softwaregeschäft, das deutlich stärker wuchs als der Rest der Digitalisierungssparte. Das Prozessautomatisierungsgeschäft, welches im dritten Quartal unter einer schwachen Nachfrage gelitten hatte, konnte ebenfalls zulegen. Auch die Medizintechniktochter Healthineers erwies sich als Wachstumstreiber.

Siemens-Chef Joe Kaeser

Siemens-Chef Joe Kaeser. | Bildquelle: imago images / Sven Simon

Unterm Strich konnte Siemens im vierten Quartal den Gewinn mehr als verdoppeln - von 559 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro. Der Konzern profitierte dabei von einer deutlich niedrigeren Steuerquote. Zudem hatten hohe Restrukturierungskosten für das Kraftwerksgeschäft im vergangenen Jahr belastet.

"Die Abschwächung der Weltwirtschaft hat sich im Lauf des Geschäftsjahres deutlich beschleunigt", sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. "Dennoch konnten wir mit einem fulminanten vierten Quartal die Leistungsfähigkeit von Siemens erneut unterstreichen."

Vorsichtiger Ausblick

Für das neue Geschäftsjahr zeigt sich der Siemens-Vorstand wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten vorsichtig, insbesondere für die zyklischen Geschäfte in der Auto- und Maschinenbaubranche. So geht der Elektrokonzern von moderat sinkenden Märkten in Sparten wie Software oder Automatisierung aus. Die Schwäche in der Autoindustrie und im Maschinenbau dürfte dabei anhalten.

Im nun angelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 endet bei Siemens eine Ära. Die Energiesparte wird abgespaltet und voraussichtlich  im September 2020 als Siemens Energy separat an die Börse gebracht. Damit kappt Siemens einen Teil seiner Wurzeln. Die Sparte Gas & Power ist mit einer Umsatzrendite von 3,8 Prozent die renditeschwächste des Konzerns. Immerhin schrieb sie im vierten Quartal wieder schwarze Zahlen. Auch 2019/20 soll die Rendite mit zwei bis fünf Prozent kaum besser ausfallen.

Siemens spaltet sich auf

Die Siemens AG baut künftig auf die renditestarken Kerngeschäfte mit der Industrieautomatisierung (Digital Industries) sowie Bau- und Infrastruktur-Lösungen (Smart Infrastructure). Auch dort rechnet Kaeser im neuen Geschäftsjahr nicht mit Rückenwind: Die operative Rendite von Digital Industries soll zwischen 17 und 18 Prozent liegen - nach 17,9 Prozent im Vorjahr. Beim Geschäft für smarte Infrastruktur sieht Siemens eine leichte Besserung und erwartet eine operative Marge von zehn bis elf Prozent. Im Geschäftsjahr 2018/19 lag sie bei zehn Prozent. Auch für das Zuggeschäft geht der Konzern von unveränderten bis leicht sinkenden Renditen aus.

Margenziele für den gesamten Konzern nannte Siemens nicht. Das Unternehmen soll auf vergleichbarer Basis moderat wachsen. Das bedeutet ein Plus von drei bis fünf Prozent. Das Ergebnis je Aktie soll 6,30 Euro bis 7,00 Euro betragen - nach 6,41 Euro im Vorjahr.

Aktie stark gefragt

Die Anleger reagieren begeistert auf die Zahlen und die angekündigte höhere Dividende. Analyst Andreas Willi von der Investmentbank JPMorgan attestierte in seiner ersten Reaktion ein "fantastisches Q4". Auch der Ausblick sei im Detail positiv.

Die Aktie springt um fast fünf Prozent nach oben und zählt zu den Top-Gewinnern im Dax. Mit über 113 Euro notiert das Papier auf dem höchsten Stand seit dem Sommer 2018. Seit Jahresanfang ist der Kurs um gut 16 Prozent gestiegen.

nb