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Milliardengewinn im abgelaufenen Quartal Siemens trotzt Kraftwerksflaute

Stand: 09.05.2018, 09:33 Uhr

Die Digitalisierung beflügelt das Geschäft von Siemens. Dank Industrie 4.0 und eines Sondereffekts verdiente der Elektrokonzern im zweiten Quartal deutlich mehr und hob die Jahresprognose an. Nur die schwache Kraftwerkssparte trübt die Bilanz.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat es mal wieder allen Kritikern gezeigt: Gestern hatte der Konzern die Einigung mit der Gewerkschaft IG auf einen Sanierungsplan verkündet, der Werksschließungen in Deutschland weitgehend vermeiden soll. Heute nun präsentierte "Joe" starke Quartalszahlen. Die Anleger sind begeistert. Die Aktie steigt um vier Prozent und führt den Dax an.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Überraschend konnte der Münchner Konzern den Gewinn im abgelaufenen zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2017/18 steigern. Unterm Strich verdiente Siemens 2,02 Milliarden Euro - 39 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten mit einem Gewinnrückgang gerechnet.

Bucheffekt sorgt für überraschenden Gewinnsprung

Grund für den Gewinnsprung war vor allem ein Sondereffekt: Im zweiten Quartal profitierte Siemens von einem Buchgewinn von 900 Millionen Euro durch die Übertragung der 11,8-Prozent-Beteiligung am IT-Dienstleister Atos an den eigenen Pensionsfonds.

Im Industriegeschäft sank allerdings das Ergebnis um acht Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro. Schuld daran war vor allem die Kraftwerkssparte Power & Gas, deren Ergebnis um drei Viertel einbrach. Auch die Gebäudetechnik, Siemens Healthineers und Siemens Gamesa mussten Einbußen hinnehmen.

Digitalsparte floriert

Das boomende Digitalgeschäft konnte die Rückgänge nicht vollständig ausgleichen. Die hoch rentable Digital-Sparte, in der das Geschäft mit Industrie 4.0 gebündelt ist, steigerte das Ergebnis um 40 Prozent. Die Umsätze erhöhten sich um ein Fünftel. Ebenfalls positiv entwickelte sich die Bahnsparte, die vor dem Zusammenschluss mit dem französischen Konkurrenten Alstom steht.

"Die meisten unserer Geschäfte, vor allem die digitalen Angebote, zeigten eine beeindruckende Stärke und konnten die strukturellen Herausforderungen der fossilen Energieerzeugung operativ mehr als ausgleichen", sagte Vorstandschef Kaeser. Der Umsatz blieb im Quartal mit 20,1 Milliarden Euro stabil. Der Auftragseingang ging aufgrund einer geringeren Zahl von Großaufträgen um ein Prozent auf 22,3 Milliarden Euro zurück. Der starke Euro hinterließ Bremsspuren.

Jahresprognose angehoben

Dank der guten Entwicklung im zweiten Quartal hob Siemens die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr an. Der Münchner Industriekonzern stellt nun einen Gewinn je Aktie von 7,70 bis 8,00 Euro in Aussicht, die Kosten für Personalabbau-Maßnahmen sind darin freilich nicht enthalten. Das entspricht einem um Sondereffekte bereinigten Nettogewinn von 6,25 bis 6,5 Milliarden Euro. Bisher hatte die Prognose bei 7,20 bis 7,70 Euro je Aktie gelegen.

"Mit der Anhebung unserer Jahresprognose demonstrieren wir unseren Anspruch an die Leistungsfähigkeit des Unternehmens, den Strukturwandel zu meistern und die digitale Industrie zu gestalten", sagte Kaeser. Siemens gilt als großer Gewinner des Industrie 4.0-Trends.

Warten auf die neue Vision 2020+

Analysten und Marktbeobachter warten weiter gespannt auf die neue Strategie "Vision 2020+", die Kaeser bald enthüllen will. Darin dürfte er sich auch über die Zukunft der Kraftwerks-Sparte äußern. Siemens hatte am Dienstag in Sondierungsgesprächen mit den Arbeitnehmervertretern den Weg für den Abbau von bis zu 6.900 Stellen in der Kraftwerks-Sparte frei gemacht, die unter der Energiewende leidet. Das soll einen "großen dreistelligen Millionenbetrag" einsparen helfen, wird aber zunächst Geld kosten. Besonders die Mitarbeiter im Werk Offenbach müssen auf harte Einschnitte einstellen. Der Standort, an dem rund 700 Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, soll mit Erlangen gebündelt und "perspektivisch aufgegeben" werden.

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