Siemens-Chef Joe Kaeser
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Geopolitik wirkt sich aus Siemens kämpft mit schwächelnder Konjunktur

Stand: 01.08.2019, 09:10 Uhr

Siemens wird pessimistischer: Es werde "herausfordernder", die Ziele für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen, teilt der Industriekonzern mit. Bei der Windkraft-Tochter Gamesa und in der Zug-Sparte Mobility läuft es aber noch rund. Für die Anleger sind die Zahlen ein Grund, die Aktie aus dem Depot zu werfen.

Die Schlüsselmärkte für Siemens hätten sich in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres (per Ende September), erheblich eingetrübt, vor allem für kurzzyklische Geschäfte. "Geopolitik und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft schaden einer ansonsten positiven Geschäftsneigung", sagte Vorstandschef Joe Kaeser.

Siemens muss sich deshalb angesichts einer schwächelnden Konjunktur für seine Ziele im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 strecken. Die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebita-Marge) werde in der unteren Hälfte der angepeilten Spanne von elf bis zwölf Prozent liegen, teilte Siemens mit. Das Ziel, den Umsatz auf vergleichbarer Basis moderat zu steigern, sei "herausfordernder geworden".

"Ein robuster Mobilitätssektor und eine konsequente Abarbeitung von Projekten werden uns helfen, unsere Ziele für das Geschäftsjahr zu erreichen", meint Kaeser.

Immerhin Rekordauftragsbestand

Im dritten Quartal ging das operative Ergebnis (angepasstes Ebita) im Industriegeschäft um zwölf Prozent auf 1,94 Milliarden Euro zurück und lag damit unter den Prognosen der Analysten. Nur die Zug-Sparte und die Medizintechnik-Tochter Healthineers legten zu.

Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um zwei Prozent auf 21,3 Milliarden Euro. Die Automatisierungs-Sparte Digital Industries leidet darunter, dass Auto- und Maschinenbauer unter anderem weniger Steuerungen für Produktionsroboter bestellten. Der Auftragseingang wuchs - getrieben von Milliardenaufträgen für die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa und einer Order für Hochgeschwindigkeits-Züge aus Russland für die Zug-Sparte Mobility - um sechs Prozent auf 24,5 Milliarden. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Experten. Siemens baut vor dem befürchteten Abschwung auf einen Rekord-Auftragsbestand von 144 Milliarden Euro.

Unter dem Strich rechnet Siemens weiterhin mit einem Gewinn auf 6,30 bis 7,00. Im Vorjahr waren es noch 6,01 Euro je Aktie gewesen. Die Analysten waren zuletzt bereits skeptischer: Sie trauen dem Konzern nur 6,23 Euro je Aktie zu. Das wären aber immerhin noch mehr als fünf Milliarden Euro.

Mit einem Minus von rund vier Prozent ist die Siemens-Aktie das Schlusslicht im Dax. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Papier rund 18 Prozent verloren.     

ts

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