Siemens Healthineers, robotergestützte OP

Das kleine Tal ist bald durchschritten Siemens Healthineers trotzt der Krise

Stand: 05.05.2020, 10:03 Uhr

In einer an guten Nachrichten armen Zeit werden die soliden Zahlen von Siemens Healthineers von den Anlegern hocherfreut aufgenommen - der Konzern kassiert zwar seine Prognose, aber die Aktie schießt nach oben.

Im abgeschlossenen zweiten Quartal kletterte der Umsatz von Siemens Healthineers auf vergleichbarer Basis um 3,3 Prozent auf knapp 3,7 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um sechs Prozent auf 659 Millionen Euro, die operative Umsatzrendite blieb mit 17,9 (17,8) Prozent stabil.

Unter dem Strich blieb ein Gewinnplus von neun Prozent auf 414 Millionen Euro, das aber nicht reichte, um die Einbußen des ersten Quartals wettzumachen. Im ersten Quartal war der Nettogewinn um zwölf Prozent auf 304 Millionen Euro zurückgegangen. Die Zahlen liegen insgesamt über den Prognosen der Analysten.

Die Aktie erholt sich kräftig

Deshalb legt das Papier auch kräftig zu und steigt um mehr als acht Prozent und nimmt Kurs auf das Rekordhoch. Es steigt auf den höchsten Stand seit dem 31. Januar. Die Verluste der drei vorangegangenen schwachen Handelstage sind damit mehr als ausgeglichen. Auch die im Corona-Börsencrash erlittenen Verluste sind wettgemacht. Zwischen Februar und März, als die Viruspanik um sich griff, hatte das Papier rund 30 Prozent eingebüßt, sich dann aber nach und nach rasch und kräftig erholt.

Abschied von den Erwartungen

Trotzdem beginnt sich die Corona-Krise langsam auszuwirken. Siemens Healthineers zog seine Umsatz- und Gewinn-Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende September) zurück. "Weder für die Länge noch für die Intensität der Covid-19-Pandemie existieren derzeit gesicherte Einschätzungen", sagte Vorstandschef Bernd Montag. "Entsprechend sind aus heutiger Sicht keine gesicherten Annahmen zur Geschäftsentwicklung möglich." Die Talsohle werde aber wohl im laufenden dritten Quartal durchschritten.

Bisher hatte Siemens Healthineers einen Umsatzanstieg auf vergleichbarer Basis um fünf bis sechs Prozent und ein um sechs bis zwölf Prozent steigendes Ergebnis in Aussicht gestellt, obwohl schon der Start ins Geschäftsjahr holprig verlaufen war. Nach sechs Monaten stehen nur ein bereinigter Umsatzzuwachs von vier Prozent und ein leicht rückläufiges Ergebnis zu Buche.

Bernd Montag, Siemens Healthineers

CEO Bernd Montag: Talsohle bald durchschritten. | Bildquelle: Unternehmen

Dass der Ausblick für das am 30. September endende Geschäftsjahr zurückgezogen wurde, sei keine Überraschung, hieß es von JPMorgan. RBC-Analyst Wasi Rizvi lobte, dass sich die Zahlen durch die Bank als "deutlich widerstandsfähiger als erwartet" erwiesen hätten.

Wo es läuft und wo nicht

Hintergrund für die Rücknahme der Prognose sind Probleme in der Medizintechnik-Sparte: Röntgengeräte und Computertomografen (CT) lassen sich nicht oder mit Verspätung liefern und installieren, Ärzte und Kliniken behandeln weniger Patienten mit anderen Krankheiten, weshalb die Labore weniger Reagenzien für Bluttests brauchen.

Computertomograph von Siemens Healthineers

Siemens Healthineers. | Bildquelle: Unternehmen

Größter Umsatz- und Gewinnbringer war dagegen die Bildgebungs-Sparte (Röntgen, Ultraschall, MRT): Sie wuchs um knapp sechs Prozent. Ohne Corona wären bis zu fünf Prozentpunkte mehr drin gewesen, teilte Healthineers mit.

ts/dpa/rtr