Siemens Healthineers, robotergestützte OP

Ungeliebte Kapitalerhöhung Siemens Healthineers: Eine Übernahme und ihr Preis

Stand: 03.08.2020, 13:23 Uhr

Auf den Jubel über den geplanten Zukauf folgt der Jammer über Kosten und Finanzierung: Um den US-Milliardendeal mit Varian zu stemmen, plant Siemens Healthineers eine Kapitalerhöhung. Das passt vielen Anlegern natürlich gar nicht. Auch das passable Quartalsergebnis rückt in den Hintergrund.

Fast fünf Prozent beträgt der Abschlag, mit dem der MDax-Titel Siemens Healthineers derzeit gehandelt wird. Aktuell kostet die Aktie knapp 42 Euro. Dabei hatte es vor dem Börsenstart noch danach ausgesehen, als würden der geplante Zukauf und die ansprechenden Quartalszahlen dabei helfen, den Abstand zum Rekordhoch von Ende Mai bei 47,26 zu verkürzen.  


"Dummes deutsches Geld
"

Was ist der Grund für die Skepsis der Investoren? Zum einen äußersten sich Experten durchaus kritisch zur Höhe des Kaufpreises. Der deutsche Medizintechnikanbieter zahlt den Varian-Aktionären einen Aufschlag von 24 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und eine Prämie von sogar 42 Prozent auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage. Der Kaufpreis von 177,50 Dollar je Aktie summiert sich auf rund 16,4 Milliarden Dollar. Für den Mutterkonzern Siemens ist das der größte Zukauf in seiner Geschichte.

"Die Übernahme ist einfach relativ teuer", kommentierte ein Händler. Die Analysten des Wertpapierhandelshauses Alpha sahen sich gar an die milliardenschwere Übernahme des Öl- und Gasindustrieausrüsters Dresser Rand vor sechs Jahren erinnert, die sich für Siemens als Fehlschlag erwiesen hatte. "Nun bejubelt die Presse den nächsten US-Zukauf mit dummem deutschem Geld, und Analysten werden es ebenfalls tun", meinten die Alpha-Kommentatoren.

Bernd Montag, Siemens Healthineers

Bernd Montag. | Bildquelle: Unternehmen

Kandidat für den Dax?

Was den Anlegern gewiss missfällt ist die Art der Finanzierung, die eine Kapitalerhöhung erforderlich macht. Zunächst wird die Konzernmutter Siemens einen Brückenkredit von 15,2 Milliarden Euro bereitstellen, der dann bis zur Hälfte mit einer Kapitalerhöhung ersetzt werden soll. Gemessen am Schlusskurs vom Freitag müssten zur Refinanzierung des halben Kredits rund 170 Millionen neue Aktien ausgeben werden. Damit würde das Aktienkapital um 17 Prozent steigen. Es könnte am Ende aber auch mehr werden.

Durch die Kapitalerhöhung, an der Siemens nicht teilnehmen will, sinkt der Anteil an der Medizintechniktochter von 85 Prozent auf rund 72 Prozent. Durch den Anstieg des Streubesitzes sieht sich Healthineers früher oder später als Kandidat für den Leitindex Dax.

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Siemens Healthineers. | Bildquelle: Unternehmen

Kluger Schachzug?

Die Anleger reagieren negativ auf die geplante Kapitalerhöhung, weil sie das Angebot an Siemens-Healthineers-Aktien auf dem Markt vergrößert. Der Wert des Unternehmens wird also auf mehr Aktien verteilt als zuvor. Das mindert den Wert jeder einzelnen Aktie, deshalb kann der Verkauf eine rationale Reaktion sein.     

Allerdings gilt es zu bedenken, dass sich der Kauf von Varian auch als Volltreffer erweisen könnte, der den Wert des künftigen Unternehmens steigert. Und ob der Preis zu hoch ist, wird erst die Zukunft zeigen. "Die Akquisition ist ein kluger Schachzug", kommentierte Berenberg-Analyst Scott Bardo. Siemens Healthineers sei bereits Weltmarktführer bei bildgebenden Verfahren und in der Diagnostik und verstärke sich mit der Übernahmen nun in dem dritten wesentlichen Investitionsbereich von Krankenhäusern, der Strahlentherapie.

"Zwar ist der Zukauf nicht billig, doch der strategische und finanzielle Sinn ist einwandfrei gegeben", lautet Bardos Fazit. Wir werden sehen.  

ts