Siemens-Techniker bei Arbeiten an Komponenten einer Gasturbine

Börsengang von Siemens Energy Ende September Neue Energie für Siemens-Aktionäre

Stand: 26.05.2020, 17:35 Uhr

Ende einer Ära: Der Siemens-Konzern spaltet sich auf und trennt sich schrittweise von seiner Energie-Sparte. Sie soll am 28. September im Rahmen eines Spin-Offs an die Börse gebracht werden. Siemens Energy ist zehn Milliarden Euro wert.

Nach langem Hin und Her hat der Münchner Dax-Konzern nun endlich den Scheidungsvertrag mit Siemens Energy bekannt gegeben. Siemens gibt die Mehrheit an der Energiesparte schuldenfrei und mit einer Liquiditätsspritze von 2,1 Milliarden Euro ab. 55 Prozent der Anteile sollen an die Siemens-Aktionäre übergehen. Sie sollen für je zwei Siemens-Aktien in ihrem Depot automatisch eine Aktie der Siemens Energy AG erhalten.

Aktionäre segnen Abspaltung am 9. Juli ab

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung des Münchner Konzerns am 9. Juli soll das sogenannte Spin-Off abgesegnet werden. Der Börsengang ist demnach für den 28. September geplant. Nach der Transaktion wird die Siemens AG noch mit 35,1 Prozent beteiligt sein, die Beteiligung dann aber binnen zwölf bis 18 Monaten "weiter deutlich reduzieren", wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Spaltungsbericht hervorgeht. 9,9 Prozent liegen beim Siemens Pension Trust, der das Paket ebenfalls nach und nach auf den Markt werfen dürfte, um die Betriebsrenten für die Belegschaft zahlen zu können.

Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser, der an die Spitze des Aufsichtsrats von Siemens Energy rücken soll, sprach von einem "Meilenstein der Neuausrichtung, die die Siemens-Unternehmen auf die gewaltigen technologischen Transformationen vorbereitet". Er hofft, den Siemens-Konzern mit der Konzentration auf die lukrativen Geschäfte mit Automatisierungslösungen für die Industrie, Bau- und Infrastrukturtechnik sowie Züge attraktiver für Investoren zu machen. Nur so könne Siemens sich behaupten, wenn es um die nächsten Großfusionen gehe. Der Münchner Konzern ist an der Börse gut 80 Milliarden Euro wert, knapp die Hälfte davon entfällt auf die Beteiligung an der schon vor zwei Jahren abgespaltenen Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers.

Börsenwert deutlich niedriger als der Umsatz

Siemens Energy steht mit 28,8 Milliarden Euro Umsatz und 91.000 Mitarbeitern für rund ein Drittel des gesamten Geschäfts von Siemens. Die Analysten von JPMorgan sehen den Börsenwert von Siemens Energy aber nur bei gut zehn Milliarden Euro. Dabei ist allein der 67-Prozent-Anteil an der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa 6,4 Milliarden wert.

Mit der Hilfe von Siemens Gamesa soll Siemens Energy den Sprung ins Zeitalter erneuerbaren Energien schaffen. Bisher ist das Unternehmen stark auf fossile Kraftwerke konzentriert. Im ersten Halbjahr 2019/20 (Ende März) machte die Sparte mehr als 300 Millionen Euro Verlust vor Steuern.

nb

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Die Siemens-Abspaltungen Epocs, Osram, Energy & Co

Fertigung bei Epcos

Epcos
Schon vor über 20 Jahren ließ Siemens eine Tochter los und machte sie selbständig. 1999 stieß der Industriekonzern den Bauelemente- Bereich ab und brachte ihn unter dem Namen Epcos an die Börse. Zeitweise notierte Epcos im Dax, ab 2002 dann im Neuen Markt. 2006 zog Siemens die Reißleine und verkaufte seine restlichen Epcos-Anteile. Die elektronische Bauelemente-Firma gehört heute zur japanischen TDK und heißt TDK Electronics.