Siemenswerk VDO Automotive in Limbach-Oberfrohna
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Handelskonflikt macht Sorgen Siemens: Wenn nur der Handelskonflikt nicht wäre

Stand: 02.08.2018, 07:19 Uhr

Siemens sieht sich trotz Gegenwinds durch den starken Euro in seiner Strategie bestätigt - dank eines bärenstarken Industriegeschäfts. Und noch eine Sparte lief besonders gut. Dennoch sind die Anleger besorgt.

Das im Dax notierte Siemens-Papier verliert am Morgen über 3,5 Prozent und ist damit der schwächste Wert im Leitindex. Der Grund: Die weltweiten Handelsstreitigkeiten machen den Münchnern Sorgen. "Die Investitions-Dynamik könnte sich wegen der geopolitischen Spannungen eintrüben", warnte Finanzvorstand Ralf Thomas am Donnerstag in München. "Vor allem die Bedrohungen des freien Handels durch Zölle machen uns Sorgen." Siemens ist stark vom Export abhängig, die USA sind der größte Markt für das Technologie-Unternehmen.

Dabei hat das Unternehmen im Industriegeschäft mit einem Ergebnis von 2,21 Milliarden Euro im dritten Quartal nicht nur den Vorjahreswert um zwei Prozent übertroffen, sondern auch die Erwartungen der Analysten. Währungseffekte knabberten am Umsatz und am Auftragseingang, wie Siemens am Morgen mitteilte.

Die neuen Orders lagen zwischen April und Juni mit 22,8 Milliarden Euro um 16 Prozent über Vorjahr, ohne den schwachen Dollar wären es 21 Prozent mehr gewesen. Der Umsatz ging wegen der ungünstigen Wechselkurse um vier Prozent auf 20,5 Milliarden Euro zurück, auf vergleichbarer Basis lag er auf Vorjahresniveau.

Digitalfabrik läuft super

Besonders gut lief es in der "Digitalen Fabrik", die ihr operatives Ergebnis um 54 Prozent steigerte und mit 681 Millionen Euro den größten Beitrag aller Sparten ablieferte.

Unter Druck blieb dagegen das Geschäft im Kraftwerksgeschäft mit der konventionellen Energie- und Gas-Industrie: In der vor einem Stellenabbau stehenden Sparte brach das Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 164 Millionen Euro ein, der Umsatz ging um ein Fünftel zurück. Einige Großaufträge schoben den Auftragseingang um 42 Prozent an.

Umbau und höhere Steuern belasten

Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Gewinn von 1,21 Milliarden Euro. Das Minus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war unter anderem auf eine stark gestiegene Steuerquote zurückzuführen. Auch die Kosten für den Personalabbau bei den Töchtern Siemens Gamesa und Siemens Healthineers belasteten.

Für das Gesamtjahr 2017/18 (per Ende September) erwartet Siemens weiterhin ein Ergebnis je Aktie von 7,70 bis 8,00 Euro. Nach neun Monaten liegt der Konzern mit 6,43 Euro um zehn Prozent über dem Vorjahr. Der Umsatz soll - Währungseffekte ausgenommen - leicht steigen. Die operative Umsatzrendite im Industriegeschäft wird zwischen elf und zwölf Prozent erwartet. Nach neun Monaten lag sie mit 10,9 (Vorjahr: 11,7) Prozent knapp unter der Zielmarke.

Weiterer Umbau angekündigt

Mit einem weiteren Umbau des Konzerns will Vorstandschef Joe Kaeser das Umsatzwachstum beschleunigen und die Rendite steigern. Mittelfristig wird eine operative Marge von 13 bis 14 Prozent angestrebt, wie Siemens am Abend mitgeteilt hatte.

lg/rtr/dpa