Wochenausblick

Brexit-Drama auf der Zielgeraden Showdown in London

von Robert Minde

Stand: 10.03.2019, 15:00 Uhr

Zwischen neuen Konjunkturängsten und dem immer noch schwelenden US-chinesischen Handelsstreit blickt die Börse am Dienstag nach London. Denn der vielleicht entscheidende Akt im Brexit-Drama steht auf der Tagesordnung des britischen Parlaments.

Dabei läuft die Zeit bis zum EU-Austrittsdatum am 29. März unerbittlich im festgefahrenen Brexit-Streit zwischen Brüssel und London. Auch am Wochenende ist es den Beteiligten bisher nicht gelungen, sich auf einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss in Sachen inneririscher Grenze zu einigen.

Houses of Parliament, Big Ben, London (Quelle: Colourbox)

England London Big Ben; Houses of Parliament.

Kein guten Aussichten somit für die am Dienstag anberaumte zweite Abstimmung des Parlaments über den von der Regierung May ausgehandelten Brexit-Vertrag. Dieser droht wie schon beim ersten Mal an der Zoll-Regelung über Nordirland zu scheitern. Aber was dann?

Eine Verschiebung dürfte nur in engem Rahmen und mit gutem Grund möglich sein, wie Brüssel bereits mehrfach signalisiert hat. Es droht damit weiterhin der ungeregelte Austritt des Landes aus der EU und damit ein bisher nie gesehenes Chaos - wenn es nicht doch noch zu einer last-minute-Lösung kommen sollte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.260,07
Differenz relativ
+0,26%

Für die Börse sicher eines der zentralen Themen der kommenden Woche. Und für den Dax wohl die Frage, ob er sich auf dem aktuell noch relativ hohen Niveau über 11.400 Punkten halten kann.

Technisch wäre erst ein Überwinden der Marke von 11.800 Punkten ein Kaufsignal - hier verläuft die Nackenlinie der im Herbst aktivierten Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Britisches Pfund im Fokus

Auch der Devisenmarkt, auf dem im Moment der starke Dollar dominiert, blickt nach London. Der britischen Währung sagen Experten schon eine ganze Weile Verluste voraus, sollte sich keine Brexit-Lösung abzeichnen. Bisher hat sie sich aber bei 1,30 Dollar eingependelt, es regiert das Prinzip Hoffnung. Auch für das Pfund könnte es ab Dienstag einen Showdown geben.

Der Euro steht ebenfalls im Schatten des starken Dollar, gerade auch weil die Lokomotive Deutschland Schwächen zeigt. Das fundamentale Aufwärtspotenzial scheint nach den düsteren Konjunkturprognosen von EZB-Chef Mario Draghi vom Donnerstag eh begrenzt. Der Kurs dürfte primär von den politischen Entwicklungen abhängig sein.

Hängepartie USA-China

Beim Zollstreit zwischen den USA und China werden die Anleger langsam ungeduldig. Welche negativen Folgen der immer noch nicht beendete Zwist zwischen den beiden größten Wirtschaftsmächten der Welt bisher schon gehabt hat, zeigen die Zahlen.

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ARD-Börse: Internationaler Wochenrückblick

Chinas Wirtschaftswachstum flacht ab und die Berichtssaison der Unternehmen hat bei so mancher Firmenbilanz gezeigt, wie wichtig die Geschäfte mit dem Reich der Mitte sind.

"Die Hängepartie verunsichert sukzessive eine immer größer werdende Schar der Marktteilnehmer", sagt Anlagestratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. Am Wochenende waren die Nachrichten bezüglich einer Einigung widersprüchlich. Damit heißt es weiter warten.

Konjunkturängste bleiben im Markt

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Konjunktursorgen an der Börse breit machen. Auch in der kommenden Woche dürften diese über den Märkten lasten, auch wenn die Politik diese vielleicht etwas in den Hintergrund schieben könnte.

Berichtssaison und Konjunkturdaten voraus

Dabei gibt es genügend "Business as usual" für die Börse. Die Berichtssaison der Unternehmen geht hierzulande weiter mit Zahlen der Dax-Versorger, der Lufthansa und Adidas. Neues gibt es auch von VW. Hinzu kommen weitere Berichte aus der zweiten Reihe, so unter anderem aus dem MDax von Symrise, der RTL Group oder den MDax-Versorgern Uniper und Innogy.

Auch stehen weitere Konjunkturdaten aus aller Welt auf der Agenda. Aus den USA werden unter anderem am Montag Einzelhandelsumsätze, Verbraucherpreise (am Dienstag) und die Industrieproduktion (am Freitag) erwartet.

Bei der deutschen Industrieproduktion (Montag) sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz den fünften Rückgang in Folge voraus. Grund hierfür sei wohl der erneut schwächelnde Autoabsatz. Daneben werden am Donnerstag die deutschen und am Freitag die europäischen Inflationsdaten veröffentlicht.

Aus China kommen in der Nacht zu Donnerstag Februar-Daten für die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze über die Ticker. Zuletzt hatte die Führung in Peking auf dem Volkskongresss die Messlatte für das Wirtschaftswachstum des Landes gesenkt.