Shell Tankwagen

Dividende erhöht Shell: Raus aus den roten Zahlen

Stand: 29.10.2020, 11:09 Uhr

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell ist viel glimpflicher durch das dritte Quartal gekommen als Fachleute erwartet hatten. Verglichen mit dem Vorjahr bleibt der Gewinnrückgang zwar gigantisch, aber Experten sehen positive Signale.

Analyst Christyan Malek von JPMorgan sprach von einem Hoffnungsschimmer für den Ölkonzern. Ein hoher Cashflow aus dem operativen Geschäft zeige, wie positiv sich eine aufgehellte Konjunktur auswirken könne. Auch das Shell-Management ist optimistisch: Als Zeichen der Zuversicht erhöht das Unternehmen die Quartalsdividende um vier Prozent.

Shell will eine Dividende für das Quartal von 16,65 US-Cents zahlen, was etwas mehr ist als die 16 Cents im Vorquartal. Im Vorjahr hatte Shell noch 47 Cents ausgeschüttet.

Allerdings zeigen die jüngsten Entwicklungen in der Corona-Krise auch, wie fragil die Lage ist – und damit auch die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung, von der die Ölkonzerne in besonderer Weise abhängig sind.      

Öltanker

Öltanker: Noch hängt die Welt am Öl. | Bildquelle: picture alliance / dpa


Es hätte schlimmer kommen könn
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Aber im Moment stehen die Zeichen bei Shell wenigstens tendenziell auf Erholung: Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 489 Millionen US-Dollar hängen. Das war zwar nur ein Bruchteil der rund 5,9 Milliarden Dollar, die Shell im Vorjahr erzielt hatte. Analysten hatten aber mit weniger gerechnet. Ursache waren eine geringere Nachfrage sowie Preisdruck bei Öl und Gas sowie niedrigere Raffineriemargen.

Und es hat immerhin für einen Gewinn gereicht. Im zweiten Quartal hatte der Ölmulti wegen eines beispiellosen Nachfrage- und Preisverfalls einen Milliardenverlust verzeichnet. Der bereinigte Gewinn betrug 955 Millionen Dollar, ein Einbruch von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten jedoch lediglich 146 Millionen Dollar erwartet

Der Konzern hatte bereits im September mitgeteilt, im dritten Quartal wegen der Corona-Pandemie und der Hurrikane weniger Öl und Gas gefördert zu haben. Die Produktion sank im Ergebnis um 14 Prozent.

Stellen werden gestrichen  

Die Branche schlägt sich insgesamt besser als befürchtet. Zuvor war der Konkurrent BP im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im Vorquartal hatte BP einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Dollar verzeichnet.

Die Ölgiganten reagieren auf die Krise unter anderem mit Stellenstreichungen. Der in den USA ansässige Öl- und Gasriese Exxon Mobil hatte die Streichung von 1.600 Arbeitsplätzen in Europa angekündigt. Exxon Mobil beschäftigt 75.000 Mitarbeiter weltweit und 14.000 in Europa.

Royal Dutch Shell will 9.000 Arbeitsplätze abbauen, was mehr als zehn Prozent der Belegschaft entspricht. BP erklärte den Abbau von 10.000 Stellen, also 15 Prozent der gesamten Belegschaft.

ts