SGL Group-Schriftzug am Eingang der Zentrale in Meitingen
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Überraschende Gewinnwarnung: Boss tritt zurück SGL schockt - aber so richtig

Stand: 15.08.2019, 09:14 Uhr

Der Kohlefaserspezialist SGL Group muss sich einen neuen Chef suchen. Jürgen Köhler zieht damit die Konsequenzen daraus, dass sich die erst vor gut einer Woche bestätigten Ergebnisprognosen für das laufende Jahr nicht mehr halten lassen. Die Anleger reagieren heftig auf diese Glaubwürdigkeitskrise.

Die Gewinnwarnung komme überraschend, nachdem das Unternehmen erst Anfang August seinen Jahresausblick bestätigt habe, stellte ein Händler fest. Dies sei auch ein Manko für die Glaubwürdigkeit des Managements, so die Einschätzung des Marktteilnehmers. Der Vertrag des scheidenden 58-jährigen Köhler war erst im April um drei Jahre verlängert worden. Er führt SGL seit Januar 2014 und wird das Unternehmen jetzt Ende des laufenden Monats verlassen.

Verlust, keine schwarze Null  

Die Prognose musste kassiert werden, weil die Ergebnisse der Verbundwerkstoff-Sparte CFM im Juli unerwartet schlecht ausgefallen seien, teilte das Unternehmen mit. Dies lasse sich im Grafit-Geschäft nur teilweise wettmachen. SGL werde deshalb in diesem Jahr mit fast zehn Millionen Euro in die roten Zahlen rutschen statt wie geplant eine schwarze Null zu schaffen.

Ferner werde das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen mit rund 55 Millionen Euro um zehn Millionen niedriger als 2018 und als für 2019 geplant ausfallen. Grund dafür seien Planungsfehler bei einem Großauftrag aus der Windkraft und zu optimistisch veranschlagte Sparmaßnahmen. Besonders schlimm: Damit seien auch die Prognosen für die kommenden drei Jahre obsolet. „Aufgrund der neu gewonnenen Erkenntnisse werden Gegenmaßnahmen erforderlich sein“, hieß es in der Unternehmens-Mitteilung. „Unter anderem werden zum Beispiel Restrukturierungsmaßnahmen geprüft.“

Aktie bricht ein

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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ARD-Börse: Chef weg - Kursbeben bei SGL

Die Experten der Baader Bank schreiben, die aktuellen Nachrichten könnten bedeuten, dass die komplette Zukunft des Unternehmens - zumindest die derzeitige Struktur - überarbeitet werden wird. Analyst Christian Obst schließt auch nicht aus, dass Hauptaktionär Skion SGL von der Börse nehmen könnte, was für die Aktionäre die positive Option wäre. Er rät, die Aktie zu verkaufen.

Und genau das tun auch die Anleger: SGL brechen um rund 22 Prozent auf 4,20 Euro ein. Wer die Titel im Depot hat, der muss sich seit Jahren schon im Wesentlichen nach unten orientieren. Noch im September 2017 kosteten sie mehr als 14 Euro. Ende 2011 lag der Preis sogar bei mehr als 40 Euro. Das aktuelle Kursziel der Baader Bank sieht mit 3,00 Euro dagegen sehr dürftig aus.

ts