Toyota Mirai

Toyotas Betamax-Moment Setzt Toyota auf die falschen Elektroautos?

von Angela Göpfert

Stand: 06.02.2018, 09:38 Uhr

Während Autohersteller weltweit mit Hochdruck an der Entwicklung von batteriebetriebenen Elektroautos arbeiten, hält Toyota an der Brennstoffzellen-Technologie fest. Setzt Toyota damit auf die Betamax-Variante der Autoindustrie?

Zur Erinnerung: Betamax ist ein von Sony im Jahre 1975 erstmalig vorgestelltes Videoformat für den Heimbedarf. Vielen galt es sogar als das bessere Video-Format. Nur durchgesetzt gegen VHS hat es sich nie.

Stattdessen ist es zum Musterbeispiel eines unterlegenen Industriestandards geworden – und zu einer Erinnerung für alle Manager an die Gefahr, zu lange an einer Technologie festzuhalten, während der Rest der Branche auf eine andere setzt.

Betamax Gerät von Sony

Aus dem Betamax-Desaster könnte Toyota so einiges lernen. | Bildquelle: Unternehmen

Saubere Welt, schöne Technik?

Eine Warnung, die Toyota besser ernst nehmen sollte. Denn der japanische Autohersteller steht in der Automobilindustrie zunehmend isoliert da.

Im Sog des Tesla-Erfolges und des Diesel-Skandals forcieren Volkswagen, Daimler, Mercedes, General Motors, Ford & Co. die Entwicklung von batteriebetriebenen Elektroautos, die Wasserstofftechnologie spielt da bestenfalls eine Nebenrolle. Toyota hingegen pumpt Milliarden in die Wasserstofftechnologie - und will sich so als sauberster und nachhaltigster Autohersteller der Welt in Szene setzen.

Elektromobilität einmal anders

Bei batteriebetriebenen Elektroautos wird der Strom aus der Batterie für den Antrieb eines Elektromotors genutzt. Es geht aber auch anders, indem man Wasserstoff tankt und diesen mittels einer Brennstoffzelle in Strom umwandelt und auf diesem Wege den Elektromotor antreibt.

In nur fünf Minuten getankt

Doch hat Toyota mit dieser Außenseiter-Nummer überhaupt eine Chance gegen die geballte Elektro-Konkurrenz? Fakt ist: Der Brennstoffzellen-Elektroantrieb hat auf den ersten Blick durchaus Vorteile gegenüber den batteriebetriebenen Voll-Elektroautos.

Während die Elektroauto-Batterien meist über Stunden aufgeladen müssen, sind Brennstoffzellenautos in nur fünf Minuten wieder aufgetankt. Zudem liegen die Reichweiten der mit Wasserstoff betriebenen Autos schon jetzt bei 500 Kilometern und sollen mit der nächsten Brennstoffzellen-Generation auf das Doppelte steigen.

Einbau von Wasserstofftanks bei Toyota

Einbau von Wasserstofftanks bei Toyota. | Bildquelle: AP

Grüne Technologie vs. Sondermüll

Auch bei der Umweltfreundlichkeit können die Brennstoffzellen-Kfz punkten: Bei der Akkuproduktion entstehen tonnenweise Treibhausgase – und auch die Entsorgung der Batterien ist ein Problem. Dagegen fällt Wasserstoff häufig als Nebenprodukt bei der Solar- und Windstromgewinnung an. Der Abfall bei seiner Verbrennung: Wasserdampf.

Doch einige Vorteile der Wasserstoff-Technologie schwinden bereits. So werden die neuen Feststoffbatterien völlig neue Reichweiten bei den Batterie-Stromern ermöglichen. Die Ladezeiten sinken rapide.

Eine Branche, ein Ziel

Der wohl wichtigste Grund aber, warum Brennstoffzellen drohen, den Kampf gegen die Batterie zu verlieren, ist der Netzwerk-Effekt. Bei den batteriebetriebenen Elektroautos arbeitet eine ganze Branche auf ein Ziel hin.

Tesla, Daimler, Ford & Co. – sie alle haben ein Interesse daran, die großen Automobilnationen so schnell wie möglich mit einem guten Ladenetz zu versorgen. So forcieren etwa die deutschen Autohersteller zusammen unter dem Projektnamen "Ionity" den Bau von Schnellladestationen.

Wasserstoff-Tankstellen rar gesät

Toyota kann dagegen mit seinem Wunsch nach einem Ausbau der Wasserstoff-Tankstellen außerhalb Japans nicht auf eine derart große Unterstützung hoffen. Das Versorgungsnetz in Deutschland etwa umfasst bislang gerade einmal 30 Anlagen. Bis Ende 2018 will H2 Mobility 100 Säulen aufgestellt haben, 2023 sollen es dann 400 Zapfsäulen sein.

Dagegen visiert die Bundesregierung für 2020 in 7.000 Schnellladestationen und 36.000 Normalladepunkte für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge an.

Ein Toyota Mirai an einer Wasserstoff H2 Tankstelle in Japan

In Japan sind Wasserstoff-Tankstellen schon weiter verbreitet, in Deutschland muss man sie noch suchen. | Bildquelle: AP Photo

Außenseiter-Weg nur selten von Erfolg gekrönt

Sich gegen die Herde zu stellen und einen eigenen Weg zu beschreiten, kann in manchen Momenten, etwa am Aktienmarkt, eine lukrative Strategie sein. Doch bei Technologien, bei denen es auf Skaleneffekte und ein gut funktionierendes Netzwerk ankommt, verspricht der Außenseiter-Weg nur wenig Aussicht auf Erfolg.

Denn wir wissen alle, wie der Video-Formatkrieg endete.

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Eine Hand poliert das Logo des Tesla Model S

Tesla
Tesla lehrte die europäischen Autohersteller das Fürchten. Das Unternehmen aus Palo Alto hat mit Elektrofahrzeugen den Markt aufgemischt. Auch in Deutschland hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben - wenn auch nur auf bescheidenem Niveau. Die Bundesnetzagentur listet aktuell 3.211 Ladestationen in ganz Deutschland. Klicken Sie sich durch einige interessante Elektro-Modelle.