Hingucker der Woche

Anleger im Glück Setzt sich die Dax-Gewinnserie fort?

Stand: 27.10.2019, 12:40 Uhr

Bislang dürfen sich die Investoren über goldene Herbsttage an der Börse freuen – und das, obwohl jede Menge politische und konjunkturelle Probleme das Gesamtbild trüben. Fed und Berichtssaison werden in der kommenden Woche die Stimmung prägen.

Auf Wochensicht legte der Dax um rund zwei Prozent zu, was die dritte Gewinnwoche in Folge bedeutet. Seit Jahresbeginn steht gar ein satter Kursanstieg von 22 Prozent zu Buche. In der Schweiz erreichte der SMI ein Allzeithoch, auch in den USA schlossen die Börsen am Freitag fester. Die Investoren hoffen jetzt, dass sich der Trend in der kommenden Woche fortsetzt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.564,74
Differenz relativ
+2,24%
Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
23.715,26
Differenz relativ
+1,25%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.787,10
Differenz relativ
+1,47%

Gute Geschäftszahlen, geringere Rezessionsängste

Die Hoffnung ist nicht unbegründet, da die Berichtssaison für Impulse sorgen könnte: "Die Messlatte für die laufende Berichtssaison hängt tief", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Es dürfte also einfach werden, positive Überraschungen zu liefern."

"Die Flut von Konjunktur- und Quartalszahlen wird zeigen, wie es um die Weltwirtschaft wirklich bestellt ist“, sagt Robert Greil. Der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers rechnet „mit mehr positiven Gewinnüberraschungen bei der amerikanischen als bei der europäischen Berichtssaison. Schließlich seien die bereits einmal mehr im Vorfeld  stärker herunter geschraubten US-Prognosen wesentlich leichter zu übertreffen, was die bislang veröffentlichten Berichte klar mehrheitlich zeigen“.

Überzeugten auch US-Technologiekonzerne wie Apple oder die Google-Mutter Alphabet mit ihren Geschäftszahlen, lindere dies Rezessionsängste, betonte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.   

Unsicherheit bleibt bestimmender Faktor

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, meint, nachdem der Dax auf Jahreshöchstände geklettert sei, werde ein Ausbruch nach oben ohne wirtschaftliche Impulse schwierig. Zudem habe die Europäische Zentralbank, die in den vergangenen Jahren die Finanzmärkte stabilisiert habe, unter Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde "kaum mehr Munition für weitere geldpolitische Initiativen übrig".

Christine Lagarde und Mario Draghi

Christine Lagarde und Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa / EPA

"Unsicherheit bleibt der bestimmende Faktor für Wirtschaft und Finanzmärkte", kommentiert Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Leiter Research bei der DZ Bank. "Zwar könnten mit dem Brexit und dem US-chinesischen Handelsstreit zwei der wichtigsten politischen Belastungsthemen in den letzten Tagen einer Lösung nähergekommen sein. Doch noch herrscht keine Klarheit, wohin die Reise geht."

Hilft die Fed weiter?

Weitere Unterstützung für die Börsen versprechen sich Analysten vom Fed-Entscheid am Mittwoch. Eine erneute Zinssenkung der US-Notenbank um einen viertel Prozentpunkt gilt als sicher.

"Wir erwarten eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte", schreibt Patrick Franke, Analyst bei der Helaba. "Damit hätte die Notenbank die Federal Funds Rate seit Juli um insgesamt 75 Basispunkte reduziert. Dies wird aus unserer Sicht ausreichen, um die US-Wirtschaft auf Expansionskurs zu halten." Aber über den weiteren Verlauf des Handelsstreits habe es letztlich primär Präsident Trump und nicht die Fed in der Hand, ob aus der konjunkturellen Abschwächung eine Rezession werde.    

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / newscom

Auch wichtige Konjunkturdaten werden auf der Liste stehen: "Die Aktienmärkte hingegen dürften den Fokus neben dem vermutlich erneut robusten US-Arbeitsmarktbericht auf die Einkaufsmanagerindizes aus den USA und aus China richten. Die Anleger rechnen hier jeweils mit einer leichten Erholung, vor allem auch, nachdem der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe in den USA zuletzt mit einem Indexstand von 47,8 tiefer in den Kontraktionsbereich gerutscht ist, meint Helaba-Expertin Claudia Windt.

Berichtssaison in voller Fahrt

Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, prognostiziert, dass die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal am Mittwoch auch die Auswirkungen der Handelskonflikte zeigen würden. "Sowohl in der Eurozone wie in den USA dürfte sich der Wachstumstrend weiter abschwächen.“

In Deutschland läuft die Bilanzsaison auf Hochtouren. In der neuen Woche legen gut ein halbes Dutzend Dax-Firmen ihre Zahlen vor. Hierzu gehören Bayer, Volkswagen und die Deutsche Bank. Zudem berichten in der neuen Woche die US-Technologieriesen Alphabet, Facebook und Apple über ihre Geschäfte.

ts