Amerikanischer Traum Sei frei, kauf dir eine Harley

Stand: 29.01.2013, 18:22 Uhr

Auf der verchromten Mühle in Richtung Sonnenuntergang brettern: Ein Jugendtraum, den sich die meisten erst dann leisten können, wenn sie ihre besten Tage hinter sich haben. Der Mythos zieht aber noch immer, wie die frischen Zahlen von Harley-Davidson beweisen.

Dabei ist das Verbrauchervertrauen in den USA seit Monaten im Sinkflug. Aber wenn die Konsumenten glauben, eine düstere Zukunft vor sich zu haben, zieht Eskapismus vielleicht besonders gut. Schluss mit dem Krisengefasel von Fiskalklippen und Staatsverschuldung. Lieber so schnell wie möglich abschalten, Gas geben und rauf auf die Interstate 105.

Aber: Der Konzern setzt zwar die meisten Maschinen in Nordamerika ab. Die größten Zuwächse verzeichnete Harley-Davidson jedoch in Lateinamerika und Asien. Die von der Schuldenkrise geplagten Europäer hielten sich zurück. Hier sanken die Verkäufe übers Jahr gesehen um drei Prozent.

Solides Umsatzplus

Insgesamt verkauften sich die chromverzierten Kultmotorräder also so gut wie lange nicht mehr. Die Händler wurden im vergangenen Jahr mehr als 249.800 Maschinen los, wie der US-Hersteller mitteilte. Das war ein Zuwachs von gut sechs  Prozent. Harley-Davidson legte dabei einen Schlussspurt hin: Im vierten Quartal stiegen die Verkäufe um fast acht Prozent auf 43.400.

Harley-Davidson erfülle "die Wünsche der Menschen nach persönlicher Freiheit", erklärte Firmenchef Keith Wandell. Im Gesamtjahr stieg der Umsatz um fünf Prozent auf rund 5,6 Milliarden Dollar und der Gewinn verbesserte sich um vier Prozent auf unterm Strich 624 Millionen Dollar.

Die harten Zeiten sind Geschichte

Harley-Davidson hatte in der Wirtschaftskrise vor vier Jahren noch ums Überleben kämpfen müssen, weil die Verkäufe der teuren Maschinen eingebrochen waren. Damals war offenbar nicht nur die Stimmung schlecht, sondern auch die allgemeine Lage. Firmenchef Wandell gab in der Not die Marken MV Agusta und Buell auf, strich tausende Jobs und stellte die Produktion um. Heute profitiert der Hersteller von seiner Neuaufstellung; er schreibt seit einiger Zeit solide Gewinne. Der Umbau liege nun "weitgehend hinter uns", erklärte Wandell.

Und wer den Traum von der Freiheit auf der Landstraße nicht träumt, der interessiert sich vielleicht für den Traum vom Reichtum. Die Aktie legte in den USA um mehr als ein Prozent zu. Seit Jahresstart hat das Papier etwa zehn Prozent gewonnen - rund doppelt so viel wie der Vergleichsindex S&P 500.