Sears, Roebuck & Co.
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US-Kaufhaus meldet Insolvenz an Sears: Ende Legende

Stand: 15.10.2018, 08:40 Uhr

Für Tradition kann man sich bekanntlich nichts kaufen. Diese bittere Erfahrung muss jetzt der US-Einzelhändler Sears machen, der Insolvenz angemeldet hat. So ganz überraschend kommt das Ganze aber nicht.

Denn nicht nur der 125 Jahre alte Traditionskonzern Sears leidet schon länger unter dem Vormarsch der Onlinenhändler, die stationären Einzelhändler insgesamt drohen angesichts der veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden zum Verlierer zu werden. Ein Blick auf den Aktienkurs des Unternehmens spricht da für sich.

Am Freitag kostete die Aktie an der Nasdaq noch ganze 41 Cent, als sogenannter Pennystock ist sie längst schon zum Spielball der Spekulanten geworden. Gerüchte um eine mögliche Pleite des Einzelhändlers hatten schon in der abgelaufenen Woche an der Börse die Runde gemacht. In Kanada hatte das Unternehmen zudem schon im Juni 2017 Gläubigerschutz beantragt und nach wenigen Wochen damit begonnen, alle Geschäfte zu schließen.

Der Gang in die Pleite

Nun schlägt für Sears die Stunde der Wahrheit auch im amerikanischen Heimatmarkt. Wie das Unternehmen am Montag bekannt gab, wurde beim zuständigen Gericht in New York ein Insolvenzantrag gestellt. Dies bedeutet, dass das hochverschuldete Unternehmen nach Kapitel 11 (Chapter 11) der amerikanischen Konkursordnung zunächst von den Forderungen seiner Gläubiger geschützt wird und den Geschäftsbetrieb fortsetzen kann.

Gleichzeitig verhandelt es mit seinen Kreditgebern über die weitere Finanzierung. Lampert erklärte, das Unternehmen könne nun den strategischen Umbau beschleunigen. Prominente Beispiele für eine "erfolgreiche" Insolvenz gibt es genug, so der Autobauer General Motors, der 2009 "in Chapter 11" ging, oder führende Fluglinien wie etwa Delta Airlines im Jahr 2005. Was nach den Verhandlungen am Ende steht entscheidet also darüber, ob es überhaupt weitergeht für Sears.

Gläubiger stören sich offensichtlich besonders am fehlenden strategischen Ansatz bei Sears, das zuletzt nur durch Filialschließungen und Verkäufe am Leben geblieben war. Das letzte profitable Geschäftsjahr war 2010. Auch aktuell sollen im Rahmen der Insolvenz bis zum Jahresende weitere 142 Geschäfte geschlossen werden. Dies zusätzlich zu den 46 Filialen, die bis Ende November schließen sollen.

Lampert gibt nicht auf

Großaktionär ist der Finanzinvestor ESL, dessen Chef Eddie Lampert auch Chef der Einzelhandelskette ist. Er hält 31 Prozent an Sears, weitere 19 Prozent liegen bei ESL. Nun tritt er zurück, bleibt aber im Verwaltungsrat. Lampert laviert das Unternehmen bereits seit Jahren durch schwieriges Fahrwasser und hat dabei Milliardensummen aus eigenem Geld in das Unternehmen gesteckt.

Sears, Roebuck & Co.

Sears, Roebuck & Co.. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Lampert war es, der 2005 Sears mit dem in den USA ebenfalls sehr bekannten, aber schon kriselnden Einzelhändler Kmart zusammenführte. Seinerzeit wurde er dafür an der Wall Street gelobt. 2006 lag die Marktkapitalisierung immerhin über 20 Milliarden Dollar.

Den Abschluss verloren

Aber Sears hatte schon in den 80er-Jahren, also weit vor dem Siegeszug des Internets, den Anschluss verloren. Denn die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Vor allem Walmart, aber auch Konkurrenten wie Target oder die Baumärkte Home Depot und Lowe's, machten Sears kräftig Konkurrenz. Erfolg macht eben neidisch und Sears wurde Opfer des eigenen Aufstiegs.

Der begann schon 1886, als William Warren Sears das Unternehmen als Uhrenhändler gegründet hatte. 1893 erfolgte der Umzug nach Chicago. Nach dem zweiten Weltkrieg schien der Aufstieg der Warenhauskette in ganz Amerika scheinbar unaufhaltsam. Läden wurden nun auch in großen Einkaufszentren eröffnet und eine eigene Kreditkarte gab es schon lange (die es als Discover-Karte übrigens heute noch gibt, herausgegeben aber von einem Finanzunternehmen). Ganze Generationen von Käufern blätterten im Sears-Katalog, um sich ihre Wünsche zu erfüllen. Landesweit hieß der Katalog auch "Wishbook" in Anlehnung an die weihnachtlichen Wunschzettel.

Sichtbares Zeichen des Wohlstandes war der Einzug der Konzernzentrale in den 1974 fertiggestellten Sears-Tower, das seinerzeit höchste Gebäude der Welt mit 442 Metern und 108 Stockwerken. 1992 zog Sears wieder aus, die Namensrechte am Gebäude hatte man aber bis zum Jahr 2003.

Im Jahr 2009 wurde es in "Willis Tower umbenannt", nachdem die britische Versicherung Willis Group Holdings 13.000 qm Bürofläche gemietet hatte. Ein Sears-Sprecher nannte den Namenswechsel seinerzeit "traurig" - bei vielen Amerikanern wird das Gebäude aber wohl trotzdem weiter als Sears-Tower in Erinnerung bleiben.

rm