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Finanzinvestoren gegen Aktionäre Scout24 bleibt (erstmal) alleine

Stand: 14.05.2019, 14:46 Uhr

Die größte Übernahme einer börsennotierten Gesellschaft durch Finanzinvestoren in Deutschland ist gescheitert. Scout24 wird nicht durch Hellman & Friedman und Blackstone übernommen. Erst einmal nicht gut für die Aktie.

Der Aktienkurs des im MDax notierten Unternehmens brach am Dienstag nach der Bekanntgabe des gescheiterten Übernahmeversuchs um sechs Prozent ein. Zuvor hatte sich das Papier seit der Bekanntgabe des Angebots im Februar in der Nähe des Gebotspreises von 46 Euro pro Aktie gehalten.

Mit der gescheiterten Übernahme ist auch zunächst etwas Fantasie aus der Aktie entwichen. Beim Übernahmeversuch des Onlinemarktplatz-Betreibers wurde die Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent nicht erreicht, teilte Scout24 am Dienstag in München mit. 5,7 Milliarden Euro schwer war die Kaufofferte für den Betreiber der Portale ImmobilienScout24 und AutoScout24. Mit 42,8 Prozent verfehlten sie die angestrebte Mehrheit deutlich. Es wäre - noch vor dem Arzneimittelhersteller Stada - die größte Übernahme einer börsennotierten deutschen Firma durch Finanzinvestoren überhaupt gewesen.

Vorstand unterstützt umsonst

Scout24 ist größtenteils in Streubesitz und an der Börse fast fünf Milliarden Euro wert. Der Finanzinvestor Hellman & Friedman hatte das Münchner Unternehmen erst vor drei Jahren an die Börse gebracht. Das gemeinsam mit dem Finanzinvestor Blackstone vorgelegte Übernahmeangebot wurde sogar vom Scout24-Vorstand unterstützt.

Aber offenbar nicht von der Mehrheit der Aktionäre. Vorstandschef Tobias Hartmann sagte am Dienstag, er respektiere jedoch die Entscheidung der Anteilseigner. Neben den erfolgreichen Marktplätzen ImmobilienScout24 und AutoScout24 wolle er jetzt die Vermittlung von Krediten und Versicherungen ausbauen.

Expansion mit Fragezeichen

Ob Scout nun die geplante weitere Expansion nun auf den Weg bringen kann, ist nicht mehr ganz so klar. Finanzvorstand Christian Gisy bekräftigte das Interesse an Teilen von Ebay Classifieds, der Kleinanzeigen-Sparte des Internet-Riesen Ebay, zu der unter anderem der größere AutoScout-Rivale Mobile.de gehört. "Brauchen wir dazu dringend einen strategischen Partner? Definitiv nicht", sagte Gisy, kurz bevor die Finanzinvestoren ihre Niederlage einräumten. "Wir sind auch aus eigener Kraft in der Lage, das zu liefern."

Immerhin gibt es ein wenig Restfantasie für spekulative Anleger: Hellman & Friedman und Blackstone haben für den Fall des Scheiterns einen neuen Anlauf innerhalb der nächsten zwölf Monate zwar ausdrücklich ausgeschlossen - es sei denn, ein anderer Bieter droht ihnen zuvorzukommen.

AB