Schweizerische Nationalbank in Bern

Opfer der Talfahrt an der Börse Schweizer Notenbank verliert Milliarden

Stand: 09.01.2019, 11:04 Uhr

Nach einem irren Höhenflug ist der Aktienkurs der Schweizer Nationalbank (SNB) zuletzt wieder abgestürzt. Als ob die Anleger es geahnt hätten: 2018 verbuchte die SNB tiefrote Zahlen.

Das schwache Börsenjahr hat die Nationalbank der Eidgenossen heftig getroffen. Im vergangenen Jahr gab es einen Verlust von rund 15 Milliarden Franken. Das gehe aus vorläufigen Berechnungen hervor, teilte die SNB am Mittwochmorgen mit. 2017 hatte die Schweizer Nationalbank noch einen Rekord-Gewinn von 54 Milliarden Franken eingefahren.

Abhängig von den Aktienmärkten

Die Bilanz der SNB steht und fällt mit der Entwicklung an den Aktienmärkten. Die Notenbank hat ein gewaltiges Portfolio mit ausländischen Devisen aufgebaut, um den Franken künstlich zu schwächen. Ein Fünftel der Devisenreserven sind in Aktien investiert. So hält die SNB einen hohen Anteil an Apple-Papieren. Manche vergleichen die Schweizer Notenbank mit einem riesigen Hedgefonds.

Zuletzt war in der Schweiz vereinzelt Kritik am Umfang der Bilanz der Nationalbank aufgekommen. Vor allem aus der rechtskonservativen Partei der SVP kommen kritische Stimmen. SVP-Nationalrat Thomas Ratter schlug kürzlich vor, die Nationalbank darauf zu verpflichten, die Hälfte der potenziellen Gewinne, in die staatliche Rentenversicherung, die AHV zu lenken. Ökonomen halten wenig von solchen Ideen.

SNB-Aktien auf Achterbahnfahrt

Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank haben im vergangenen Jahr eine wilde Berg- und Talfahrt hingelegt. Zunächst kletterten sie von 1.700 Euro auf über 8.000 Euro im Frühjahr. Dann rutschten sie bis zum Sommer ab, erholten sich kurz wieder und pendelten sich bei um die 5.000 Euro ein, bevor es zum erneuten Absturz kam. Seit Mitte Dezember haben die Papiere fast ein Viertel ihres Werts eingebüßt. Manche Experten sprechen schon von einem "Zockerpapier". Die SNB gehört zu den wenigen Notenbanken in der Welt, die auch an der Börse notiert sind.

Tatsächlich halten mehrere Beobachter die Aktien für unterbewertet. Sie verweisen auf die gewaltige Lücke zwischen Marktkapitalisierung und den Devisenanlagen. Aktuell ist die SNB an der Börse 376 Millionen Euro wert. Die Devisenreserven lagen dagegen Ende September um ein Vielfaches höher bei 763 Milliarden Franken.

Warnung vor dem "Klumpenrisiko"

Die deutschen Crash-Gurus Matthias Weik und Marc Friedrich ("Der Crash ist die Lösung!") warnten zuletzt vor dem "Klumpenrisiko", das die Nationalbank für die Schweiz darstelle. Die Bilanz der SNB sei auf 124 Prozent des Schweizer BIP angeschwollen, monierten sie.

Ob die Kritik von Weik und Friedrich der Hauptgrund für den jüngsten Kursrutsch der SNB ist, darf bezweifelt werden. Im Grunde reichen nur wenige Verkaufsaufträge, um den Kurs nach unten zu treiben. Denn nur ein winziger Teil der SNB-Aktien ist frei handelbar. Es gibt nur 100.000 Aktien, davon sind über die Hälfte in fester öffentlicher Hand. 2017 hatte Großaktionär Theo Siegert erstmals seit 2008 ein paar seiner Aktien verkauft. Der Verkauf der Siegert-Anteile dürfte mehr Spekulanten angelockt haben, mutmaßen die Medien. Diese könnten nun teilweise wieder ausgestiegen sein.

nb