Schweizerische Nationalbank in Bern

Spiegelbild der Märkte Börsenboom bringt Schweizer Notenbank Milliardengewinn

Stand: 09.01.2020, 09:10 Uhr

Wenn's an der Börse gut läuft, geht's auch der Schweizer Notenbank gut. Die Aktienhausse bescherte der SNB einen unglaublichen Überschuss von 49 Milliarden Franken. Was machen die Schweizer mit so viel Geld?

Wenn SNB-Präsident Thomas Jordan die Bilanz seiner Bank präsentiert, ist es ihm fast ein bisschen peinlich. Denn die Nationalbank weist Buchgewinne auf, die die Phantasie vieler Eidgenossen übersteigt. Im vergangenen Jahr waren es 49 Milliarden Franken, die die SNB mit Aktien, Anleihen und Gold verdiente. Das war aber nicht all zu schwer bei einem gigantischen Devisenbestand von gut 800 Milliarden Franken. Diesen hat die SNB aufgebaut, um den Franken zu schwächen und die Schweizer Exportwirtschaft zu stützen. Ein Fünftel der Devisenreserven stecken in Aktien.

Von den Milliardengewinnen fließt freilich nur ein kleiner Teil an die Anteilseigner. Die SNB will insgesamt zwei Milliarden Franken an den Bund und die Kantone ausschütten. Die rekordhohe Ausschüttungsreserve ermögliche es der Notenbank, an Bund und Kantone in begrenztem Ausmaß zusätzlich Geld zukommen zu lassen. Die SNB strebe zu diesem Zweck eine Zusatzvereinbarung mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement an, hieß es am Donnerstag.

Lücke zwischen Marktkapitalisierung und Devisenanlagen

Die Dividende für die Aktionäre ist auf maximal sechs Prozent des Aktienkapitals oder 15 Franken je Aktie begrenzt. Die SNB ist einer der wenigen Notenbanken in der Welt, die an der Börse notiert ist. Momentan beträgt die Marktkapitalisierung gerade mal 480 Millionen Franken. Die Diskrepanz zwischen Börsenwert und Devisenanlagen ist gigantisch.

Die Aktien der SNB sind auf Ein-Jahres-Sicht um fast 40 Prozent gestiegen. Allerdings sind sie inzwischen nur noch an der Züricher Börse zu handeln - wie die meisten Schweizer Aktien. Grund ist der Konflikt zwischen der EU und der Eidgenossenschaft. Seit dem Sommer 2019 erkennt Brüssel die Schweizer Börsenregulierung nicht mehr als gleichwertig mit der der EU an. Das bedeutet, dass Banken und Vermögensverwalter aus der EU an der Schweizer Börse Six grundsätzlich nicht mehr handeln dürfen. Die Schweiz verbot daraufhin zum Schutz des heimischen Börsenplatzes den Handel mit Schweizer Aktien an den EU-Aktienmärkten.

Klumpenrisiko für die Schweiz?

Manche nennen die SNB ein "Zockerpapier". Denn schon wenige Kauf- oder Verkaufsaufträge reichen, um den Kurs nach oben oder unten zu treiben. Nur ein winziger Teil der SNB-Aktien ist frei handelbar. Es gibt nur 100.000 Aktien, davon sind über die Hälfte in fester öffentlicher Hand. 2017 hatte Großaktionär Theo Siegert erstmals seit 2008 ein paar seiner Aktien verkauft.

Einige Experten warnen vor einem "Klumpenrisiko". Denn die Bilanz der Schweizer Notenbank übersteigt inzwischen das Schweizer Bruttoinlandsprodukt. Ein Einbruch der Börsenkurse würde die Schweizer Nationalbank hart treffen.

nb