Eurobanknoten in einer Tasse mit Schweizer Kreuz

UBS und CS profieren von reichen Kunden Schweizer Großbanken verdienen wieder prächtig

Stand: 28.07.2017, 10:54 Uhr

Bei den beiden größten Schweizer Banken sprudeln wieder die Gewinne. Dank der verstärkten Ausrichtung auf vermögende Kunden verdienten die UBS und Credit Suisse mehr als erwartet und trotzten der Flaute an den Kapitalmärkten.

"Swiss Banking" entwickelt sich wieder zum Erfolgsmodell: Der Schweizer Branchenprimus, die UBS, überraschte im zweiten Quartal mit einem Milliardengewinn. Der Überschuss kletterte um 14 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Analysten hatten lediglich mit 800 Millionen Franken gerechnet. "In Anbetracht der Marktbedingungen haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt", freute sich UBS-Chef Sergio Ermotti.

Milliardenzuflüsse bei der UBS

Für den Gewinnschub sorgte vor allem die Vermögensverwaltungssparte. Die führende Schweizer Bank sammelte bei der reichen Kundschaft im zweiten Quartal konzernweit netto 7,5 Milliarden Franken an neuen Geldern ein. Die Zuflüsse kamen hauptsächlich vom internationalen Geschäft außerhalb Nordamerikas. In Amerika hingegen verbuchten die Schweizer Abflüsse von 6,4 Milliarden Dollar - unter anderem deshalb, weil viele Kunden ihre Einkommenssteuern bezahlten.

UBS-Logo

UBS-Logo. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In den vergangenen Jahren hatten sich die reichen Kunden zurückgehalten und wegen der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit nicht investiert. Doch nun - nachdem wichtige Wahlen in den USA und Europa vorbei sind - tanken sie neuen Optimismus und gehen höhere Risiken ein. Die Bank profitiert damit über steigende Gebühren.

Mit der Vermögensverwaltung kompensierte die UBS die Einbußen im Investmentbanking. Dort sank das Vorsteuerergebnis um sechs Prozent. Noch schlechter lief es im Heimatmarkt, wo es einen Rückgang von 18 Prozent gab.

Credit Suisse schafft Rekord bei Kundengeldern

Auch die Credit Suisse verdiente deutlich mehr mit reichen Kunden. Im ersten Halbjahr sammelte die zweitgrößte Schweizer Bank 22,8 Milliarden Franken bei reichen Privatkunden ein. Die Credit Suisse sprach vom besten Ergebnis der vergangenen sechs Jahre. Zur Jahresmitte erreichten die verwalteten Vermögen ein Rekordniveau von 716 Milliarden Franken. "Unsere Fokussierung auf das globale Vermögensverwaltungsgeschäft zahlt sich aus", erklärte Bank-Chef Tidjane Thiam.

Credit Suisse Bankgebäude in Zürich

Credit Suisse in Zürich. | Bildquelle: Unternehmen

Der Gewinn der Großbank erhöhte sich um fast 80 Prozent auf 303 Millionen Franken. Dazu trugen auch massive Einsparungen bei. Credit-Suisse-Chef Thiam will die Risiken und Kosten senken und die Bank weniger schwankungsanfällig vom Kapitalmarktgeschäft machen. In den letzten beiden Jahren hatte die Credit Suisse Milliardenverluste erlitten.

Selbst im Handelsgeschäft lief es bei der zweitgrößten Schweizer Bank deutlich besser - im Gegensatz zu den US-Rivalen und zur Deutschen Bank. Das erklärt sich damit, dass die Credit Suisse vor allem in der Unternehmensfinanzieruing aktiv ist. Der Handel mit Staatsanleihen und Derivaten wurde eingedampft.

Aktien der CS springen hoch...

Die Anleger zeigten sich begeistert von der CS-Bilanz: Die Aktien steigen am Vormittag um über zwei Prozent. Die Credit Suisse habe auf voller Linie positiv überrascht, meinte Analyst Kinner Lakhani von der Deutschen Bank. Er sah neben dem Nettogewinn auch im Vorsteuerergebnis von 582 Millionen Franken eine positive Überraschung.

... Titel der UBS knicken ein

Dagegen sacken die Aktien der UBS um 3,6 Prozent ab. Zwar entsprachen die Zahlen insgesamt den Erwartungen. Händler sprachen aber von kleinen Mängeln im Detail, die zu Gewinnmitnahmen geführt hätten. Die Titel der UBS hatten am Donnerstag ihren höchsten Stand seit Anfang Mai markiert hatten. So sank die Kernkapitalquote überraschend von 14,1 Prozent Ende März auf 13,5 Prozent Ende Juni. Die Experten der Citigroup sehen vor allem im letzterem eine mögliche Belastung für den Aktienkurs.

Verhaltene Ausblicke

Beide Schweizer Großbanken gaben einen verhaltenen Ausblick auf das Gesamtjahr. "Die Stimmung und das Vertrauen der Anleger haben sich verbessert, was zu einer erhöhten Kundenaktivität im Wealth-Management-Geschäft geführt hat", erklärte die UBS. Allerdings könnten eine weiterhin niedrige Volatilität an den Finanzmärkten oder geopolitische Unsicherheiten die Kunden weiter bremsen. Die UBS sieht sich auf Kurs, das angestrebte Sparziel von 2,1 Milliarden Franken bis zum Jahresende zu erreichen. Zum Halbjahr hatte die Bank schon 1,8 Milliarden Franken davon geschafft.

Credit-Suisse-Chef Thiam gab einen noch vorsichtigeren Ausblick: Die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sowie die geringe Volatilität an den Märkten dürften das marktabhängige Geschäft beeinträchtigen, warnte er.

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Nestlé
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