RIB Software
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Aktie plus 41 Prozent RIB Software soll französisch werden

Stand: 13.02.2020, 11:49 Uhr

Der auf die Baubranche spezialisierte Softwarehersteller RIB Software weckt Begehrlichkeiten des französischen Elektrotechnik-Konzerns Schneider Electric. Die Anleger sind begeistert.

Die Aktie des Stuttgarter Softwareherstellers legt am Vormittag um gut 40 Prozent zu auf den von den Franzosen angebotenen Preis von 29 Euro je Aktie. Damit wird RIB mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot beinhaltet eine Prämie von rund 40 Prozent auf den Börsen-Schlusskurs vom Mittwoch bei 20,62 Euro.

Der Verwaltungsrat von RIB Software unterstützt das Angebot, das eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent beinhaltet. Aufseher müssen dem Vorhaben noch zustimmen. Der Abschluss eines Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsvertrags ist gegenwärtig nicht geplant.

Schneider will Kompetenzen ausbauen

RIB Software ist spezialisiert auf Bausoftware für Planer, Architekten und Bauunternehmen. Schneider will mit dem Zukauf seine Kompetenzen in der Digitalisierung für den Maschinenbau und die Bauwirtschaft ausbauen, wie Vorstandschef Jean-Pascal Tricoire sagte.

In den letzten Jahren haben Industrieunternehmen verstärkt kleinere Softwareunternehmen übernommen, um einen Fuß in die Tür attraktiver Wachstumsbereiche zu bekommen, da sich die Kundschaft in Richtung digitale Technologien wandelt. So hat unter anderem der Siemens-Konzern verstärkt bei Softwareunternehmen zugegriffen.

Sprechen mit den gleichen Kunden

In einer gemeinsamen Telefonkonferenz machten die Manager der Unternehmen klar, dass sie ohnehin mit den gleichen Kunden sprechen. Schneider Electric hatte vor einigen Jahren den britischen Anbieter Aveva übernommen, um den industriellen Kunden eine Softwarebasis für den Betrieb ihrer Anlagen bieten zu können. Nun wollen die Franzosen mit der Übernahme das Angebot für die Bauwirtschaft ausbauen. Materielle Kosten für die Integration von RIB Software seien nicht zu erwarten, hieß es vom Schneider-Management.

Schneider beschäftigt 137.000 Personen, hat 2019 einen Umsatz von 27 Milliarden Euro erwirtschaftet und ein Ergebnis (Ebit) von 3,5 Milliarden. An der Börse ist Schneider 56 Milliarden Euro wert. Die Mehrheit der Aktien befindet sich in der Hand großer Investoren wie Blackrock. Wie in Frankreich üblich ist auch der Staat mit 5,1 Prozent an dem Unternehmen beteiligt.

RIB ist kräftig gewachsen

RIB hat unterdessen im vergangenen Jahr erneut ein kräftiges Wachstum hingelegt. Der Umsatz kletterte um 57 Prozent auf 214,3 Millionen Euro, wie das im TecDax und SDax notierte Unternehmen am Morgen mitteilte.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 32 Prozent auf 50,1 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis lag das Unternehmen damit etwas über den Schätzungen von Analysten, beim Umsatz leicht darunter. Die Ende Januar angehobene Prognose für das neue Jahr bestätigte der Konzern. Der Erlös soll zwischen 270 und 310 Millionen Euro liegen, das operative Ergebnis zwischen 57 und 65 Millionen Euro.

Wegen des Übernahmeangebots hat sich RIB verpflichtet, die für den 13. Mai 2020 geplante ordentliche Hauptversammlung auf Ende Juni 2020 zu verschieben, ein Termin, der voraussichtlich nach Abwicklung des Übernahmeangebots liegt. Die Aktionäre von RIB sollen für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende in Höhe von 0,12 Cent erhalten.

lg/dpa