Lufthansa Germanwings

Maßnahmen gegen die Corona-Krise Lufthansa schließt Germanwings

Stand: 07.04.2020, 17:07 Uhr

Die Lufthansa zieht den Nothebel: Als Reaktion auf die Corona-Krise verkleinert die Airline ihre Flotte und lässt die Tochter Germanwings am Boden. Wie viele Jobs wegfallen, ließ die Lufthansa offen.

Die Lufthansa-Topmanager rechnen mit einer lang anhaltenden Luftfahrtkrise. Auch nach Corona werde ein deutlicher Nachfragerückgang erwartet. Es werde "Monate dauern, bis die globalen Reisebeschränkungen vollständig aufgehoben sind und Jahre, bis die weltweite Nachfrage nach Flugreisen wieder dem Vorkrisen-Niveau entspricht", hieß es.

Jedes zehnte Flugzeug wird aus dem Verkehr gezogen

Deshalb baut die Lufthansa konzernweit ihre Flotte ab. Insgesamt sollen rund zehn Prozent der zuletzt gut 760 Flugzeuge dauerhaft aus dem Verkehr gezogen werden. 18 Langstreckenflugzeuge, darunter sechs Superjumbos vom Typ Airbus A380, werden für immer stillgelegt. Auch elf A320-Kurzstreckenflugzeuge stößt die Lufthansa ab.

Verkleinert werden die Kernmarke Lufthansa, die Billigflugtochter Eurowings und auch die ausländischen Töchter Austrian Airlines, Brussels Airlines sowie Swiss. Leidtragender ist Germanwings, die ihre Flüge zuletzt nur noch im Auftrag der Konzernschwester Eurowings abgewickelt hatte. Sie soll den Flugbetrieb ganz einstellen, verkündete die Lufthansa und bestätigte entsprechende Spekulationen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
Kurs
10,87
Differenz relativ
+5,48%

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise in China Anfang des Jahres, die inzwischen den Flugverkehr weltweit fast zum Erliegen gebracht hat, musste der Dax-Konzern den Flugbetrieb immer weiter reduzieren. Zuletzt waren allenfalls noch fünf Prozent der Passagierflüge unterwegs, vornehmlich mit Sonderflügen zur Heimkehr gestrandeter Deutscher im Ausland.

Aktien erholen sich etwas

Die Aktie der Lufthansa zog nach der Mitteilung an. Sie gewann gut 1,1 Prozent und schloss bei 8,75 Euro. Seit Jahresbeginn ist der Kurs der Airline um gut die Hälfte abgesackt. Die Kursschwäche nutzte der deutsche Milliardär Heinz Hermann Thiele zum Kurseinstieg. Der Knorr-Bremse-Haupteigner hält rund zehn Prozent Anteile an der Kranich-Linie inzwischen.

Markus Gürne
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Lufthansa tritt auf die Sparbremse

Vor der Verschärfung der Corona-Krise Mitte März hatte die Lufthansa ein Liquiditätspolster von rund fünf Milliarden Euro. Doch seither kommen nahezu keine Einnahmen mehr herein. Stattdessen fließen hohe Summen in die Rückerstattung von Flugtickets. Die Personalkosten wurden bereits reduziert, indem mehr als 90.000 der zuletzt rund 138.000 Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt wurden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte, mit der Bundesregierung sowie mit den Regierungen ihrer Töchter in Österreich, Belgien und der Schweiz über staatliche Hilfen zu sprechen. Laut Insidern ist ein umfangreiches Finanzierungspaket mit Anleihen und Aktienemissionen geplant, das um staatlich verbürgten Kredit und auch um eine Staatsbeteiligung ergänzt wird.

Keine Kapitalerhöhung vorerst

Zu einer möglichen Kapitalerhöhung äußerte sich Europas größte Fluggesellschaft nicht. Am Markt war spekuliert worden, dass die Lufthansa das Kapital aufstocken könnte. "Sicher müsste die Lufthansa bei einer Kapitalerhöhung einen großen Abschlag zum Kurs anbieten", sagte ein Händler. Sollte die Bundesrepublik als Retter bei der Lufthansa einsteigen, wäre dies mit einer starken Verwässerung der Gewinne verbunden.

Die DZ Bank hat die Lufthansa-Aktie von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft und den fairen Wert von 9,00 auf 6,50 Euro gesenkt. Der Einstieg des Bundes werde vor dem Hintergrund der erheblichen Belastungen für die Fluggesellschaft immer wahrscheinlicher, schrieb Analyst Dirk Schlamp. Im ersten Schritt geht auch Schlamp von einer Kapitalmaßnahme aus. Er senkte seine Gewinnschätzungen und sieht ein ungünstiges Chance-Risiko-Profil.

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen

Lufthansa-Maschinen am Frankfurter Flughafen. | Bildquelle: picture alliance / Boris Roessler / dpa

Gewerkschaften sind alarmiert

Für alle von dem Restrukturierungspaket betroffenen Mitarbeiter gelte weiter das Ziel, möglichst vielen eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Lufthansa-Gruppe zu bieten, betonte die Airline. Dafür sollten mit den Sozialpartnern zügig Gespräche vereinbart werden, um unter anderem über neue Beschäftigungsmodelle zur Sicherung von möglichst vielen Arbeitsplätzen zu sprechen. Gewerkschafter und Personalvertreter hatten der der Lufthansa vorgeworfen, die Coronakrise für einen rabiaten Konzernumbau nutzen zu wollen. Die rund 1.400 Beschäftigten und ihre Familien würden mit Arbeitslosigkeit und dem Entzug ihrer Existenzgrundlage bedroht.

ts/nb