IPO - Eine Hand mit der Börsenglocke

Schlechtestes Jahr seit Finanzkrise IPO-Jahr 2019: Es kann eigentlich nur besser werden

Stand: 09.12.2019, 08:55 Uhr

Rezessionsängste, Unsicherheit wegen des Brexits und Handelskonflikte haben vielen Unternehmen in diesem Jahr die Lust am Börsengang vertrieben. Dabei lief der Aktienmarkt doch prächtig.

Das Jahr 2019 war laut einer Studie der Beratungsfirma Kirchhoff Consult das schwächste Jahr für Börsengänge in Deutschland seit der globalen Finanzkrise. Lediglich drei Unternehmen wagten einen Börsengang im streng regulierten Segment Prime Standard.

Dem schwäbischen Softwareunternehmen Teamviewer gelang mit einem Volumen von fast zwei Milliarden Euro der größte Tech-Börsengang seit dem Jahr 2000. Im Prime Standard legte noch die Volkswagen-Lkw-Tochter Traton ein milliardenschweres Börsendebüt hin. Wesentlich kleiner fiel der IPO des Modehändlers Global Fashion Group aus. Im Segment Scale der Deutschen Börse für Start-ups gab es gar keinen Börsengang.

Starke Kursschwankungen

Zugleich sei der Wert der neu ausgegebenen Aktien um fast 70 Prozent auf 3,6 Milliarden gefallen, zeigt die Studie. 2018 hatte sie 16 Börsengänge mit 11,6 Milliarden Euro Emissionsvolumen gezählt.

"Die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten wogen für viele Börsen-Kandidaten schwerer als die sehr gute Entwicklung am Aktienmarkt", sagte Firmenchef Klaus Rainer Kirchhoff. So liegt der Dax seit Jahresbeginn rund 25 Prozent im Plus - eigentlich ein sehr gutes Umfeld. Doch starke Kursschwankungen, die schwache Aktienentwicklung bei Börsenneulingen wie Uber und der abgesagte Börsengang des Büroanbieters WeWork hätten Investoren aufgeschreckt.

Der Prime Standard der Deutschen Börse ist das Segment mit den höchsten Transparenzpflichten für Firmen. Eine Aufnahme ist Voraussetzung, um in Dax-Indizes wie Dax oder MDax notiert zu werden.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
10.075,17
Differenz relativ
+5,77%

Pipeline gut gefüllt

Für das kommende Jahr ist Kirchhoff aber optimistischer. "Die weiter lockere Geldpolitik der Notenbanken und die zunehmend positiven Signale im Handelsstreit stimmen uns aber zuversichtlich, dass 2020 wieder mehr Unternehmen an die Börse gehen werden."

Die Pipeline mit neuen Kandidaten sei auch wegen Verschiebungen gut gefüllt. Zu potenziellen Milliarden-Börsengängen zählten die Aufzugssparte von Thyssenkrupp und die Energiesparte von Siemens, die im September 2020 aufs Parkett gehen soll. "Wir erwarten eine deutliche Erholung am Markt für Börsengänge und rechnen mit mindestens zehn Neuemissionen im Prime Standard", sagte Kirchhoff-Vorstand Jens Hecht.

Das Jahr 2018 war am kleinen deutschen Markt für Börsengänge das beste Jahr seit dem Tech-Boom 2000 gewesen. Schwergewichte wie die Siemens-Medizintechnik-Sparte Healthineers, die Deutsche-Bank-Fondstocher DWS und der Bremsenhersteller Knorr-Bremse schafften Milliarden-Erstnotierungen. Viele Firmen hierzulande scheuen Börsengänge und finanzieren sich lieber über Kredite.

ts/dpa-AFX

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Trübes IPO-Jahr Chartserie

<strong>Traton</strong><br/>Die Hoffnung, dass die VW-Tochter zum Eisbrecher bei Börsengängen wird, erfüllte sich nicht. VW musste kräftige Zugeständnisse an die Investoren machen und gab die Aktien am unteren Ende der Preisspanne aus. Doch auch das half nicht. Die Aktien des Lastwagenbauers floppten bereits am ersten Handelstag. Aktuell notieren die Titel gut acht Prozent unter ihrem Ausgabekurs von 27 Euro.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Traton
Die Hoffnung, dass die VW-Tochter zum Eisbrecher bei Börsengängen wird, erfüllte sich nicht. VW musste kräftige Zugeständnisse an die Investoren machen und gab die Aktien am unteren Ende der Preisspanne aus. Doch auch das half nicht. Die Aktien des Lastwagenbauers floppten bereits am ersten Handelstag. Aktuell notieren die Titel gut acht Prozent unter ihrem Ausgabekurs von 27 Euro.