Schatztruhe auf dem Meeresgrund

Substanztitel vor Comeback Schlägt jetzt die Stunde für Value?

Stand: 11.12.2018, 17:31 Uhr

In den letzten Jahren standen Value-Aktien klar im Schatten der Growth-Titel. Technologie-Aktien erlebten einen Höhenflug. Das könnte sich nun ändern. Mehrere Anlagestrategen raten zum Umschichten in Substanzwerte.

Value-Fans hatten zuletzt wenig Grund zur Freude. "Seit 2014 haben die Titel underperformt und wurden von Growth-Aktien abgehängt", sagt Brooks Ritchey von Franklin Templeton. Inzwischen sieht er den Tiefpunkt erreicht. Die Underperformance von Value gegenüber Growth sei inzwischen auf dem Niveau vom Jahr 2000, als Internet-Aktien gehypt und Old-Economy-Aktien verschmäht wurden.

Beobachter wittern die Wende und prophezeien eine Sektor-Rotation voraus. Da der Börsenaufschwung allmählich abflaut und in seine spätzyklische Phase tritt, dürften Substanzwerte wieder bevorzugt werden. Vor allem wenn die Aktienmärkte fallen, gelten Value-Titel als erste Wahl.

Substanzwerte ideal bei fallenden Märkten

"Substanzwerte schlagen den Index üblicherweise bei fallenden Märkten", glaubt JP Morgan. Sie rät, Growth-Titel im Depot zu reduzieren und Value-Titel von starken Unternehmen aufzustocken.

Auch die französische Fondsgesellschaft Amundi bevorzugt momentan Substanzwerte. Die besten Chancen böte jetzt ein Mix aus qualitativ hochwertigen nicht zu teuren Aktien und attraktiven Value-Aktien, meint Chief Investment Officer Pacal Blanqué.

"Steigende Zinsen positiv für Value-Aktien"

Die Value-Fans sind überzeugt: Substanzwerte liegen bald wieder im Trend. "Es steht mit großer Wahrscheinlichkeit ein ausgeprägtes Value-Comeback bevor", prophezeit Goran Vasiljevic von der Geschäftsführung bei Lingohr & Partner Asset Management. Er verweist auf das günstige Bewertungsniveau, das unterschätzte Gewinnwachstum von Value-Titeln und das Anlegersentiment. Gerade in schwankenden Zeiten würden Anleger gern nach Sicherheit suchen. Der Markt orientiere sich dann wieder mehr an den Bewertungen. Folglich "steigt die Nachfrage nach Value-Aktien wieder an", meint Vasiljevic in einem Gastbeitrag der "Börsen-Zeitung".

Zudem seien steigende Zinsen positiv für Value-Aktien. "Sie sind stärker vor Zinsänderungen geschützt und tendieren in Zeiten steigender Zinsen dazu, eine höhere Rendite zu erwirtschaften." Er rechnet für die kommenden Jahre mit einem erheblichen Outperformance-Potenzial von Substanztiteln.

Value-Investoren decken sich ein

"Jetzt ist Kaufzeit", glaubt auch der bekannte Value-Investor Hendrik Leber von Acatis. Wegen der jüngsten Kursrückschläge sei wieder eine Freude, Aktien zu kaufen, sagte er gegenüber der "Neuen Zürcher Zeitung". Allerdings könne man inzwischen nicht mehr darauf vertrauen, dass Aktien von bewährten Unternehmen, die eingebrochen seien, sich wieder erholen würden. Es gebe ganze Branchen, die vor einem endlosen Krebsgang oder gar Niedergang stünden. Als Beispiele nennt Leber die Banken und die Autoindustrie. Deshalb hat Acatis eine Art Strategiewechsel vollzogen und setzt jetzt auf "Value Investing 2.0".

Bei der Anlageentscheidung prüfen die Fondsmanager von Acatis nun, wo die Welt im Jahr 2025 stehe und welche Produkte und Technologien benötigt würden. Hier, so Leber, hätten Unternehmen aus den USA und China die besten Voraussetzungen, Branchen-Leader zu werden, da sie Heimmärkte mit einheitlichen Anforderungen und mehreren hundert Millionen Konsumenten bedienten. Aber auch in Deutschland gebe es erfolgreiche mittelständische Unternehmen, die sich frühzeitig darauf einstellten, die Anforderungen in anderen Ländern zu erfüllen.

nb