Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani
Audio

Staatsfonds erwägt Einstieg Scheichs aus Katar glauben an die Deutsche Bank

Stand: 28.01.2019, 09:15 Uhr

Der Kursverfall der Deutschen Bank macht offenbar den Scheichs aus Katar nichts aus. Laut Bloomberg will nun auch der Staatsfonds des Emirats beim größten privaten deutschen Geldinstitut einsteigen. Die Aktien ziehen an.

Die Titel der Deutschen Bank steigen zum Xetra-Beginn am Montag um über ein Prozent und führen die Liste der Dax-Gewinner an. Mit 8,22 Euro notieren sie auf dem höchsten Stand seit Anfang Dezember.

Die Qatar Investment Authority (QIA) befindet sich angeblich in Verhandlungen mit dem Management der Deutschen Bank. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenen Stadium, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Wochenende unter Berufung auf Insider. Allerdings gebe es noch keine endgültige Entscheidung. Unklar ist die Höhe des geplanten Investments.

Königsfamilie hält mindestens sechs Prozent Anteile

Die Deutsche Bank wollte die Informationen Bloomberg gegenüber nicht kommentieren, Vertreter von QIA ließen Anfragen für eine Stellungnahme unbeantwortet. Bisher sind bereits zwei katarische Investmentvehikel, die durch die Königsfamilie kontrolliert werden, mit rund sechs Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Zudem kontrolliert die Herrscherfamilie Al-Thani über hochkomplexe Derivatekonstruktionen weitere Anteile, deren genau Höhe unbekannt ist und schwankt. Einem Insider zufolge liegt der gesamte Anteil der Al-Thanis bei knapp unter zehn Prozent.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,49
Differenz relativ
-0,84%

Ein neuer Großaktionär käme der Deutschen Bank gerade recht. Die chinesische HNA will ihre Anteile am Frankfurter Geldinstitut weiter reduzieren. Die Aktien der Deutschen Bank haben in den letzten zwölf Monaten gut die Hälfte ihres Werts verloren und sind auf ein Rekordtief gerutscht. Am Freitag präsentiert die Deutsche Bank ihre Jahreszahlen. Es wird mit dem ersten Gewinn seit 2014 gerechnet.

QIA-Verwaltungsratsvorsitzender Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hatte jüngst in einem Interview in Davos angedeutet, dass die Deutsche Bank zu den großen deutschen Unternehmen gehört, mit denen der Fonds über eine mögliche Beteiligung spricht. Ähnlich hatte sich auch im Dezember Yousuf Mohamed al-Jaida, Vorstandschef des staatlichen Qatar Financial Center, geäußert. "Wir werden in Deutschland in eine große Finanzinstitution investieren", kündigte er im Dezember im "Handelsblatt" an.

Einer der größten Staatsfonds der Welt

Der katarische Staatsfonds QIA verwaltet 320 Milliarden US-Dollar. Er hält bereits Anteile an prominenten Firmen wie dem russischen Gaskonzern Rosneft, der Hollywood-Produktionsfirma Miramax oder auch der britischen Einzelhandelskette Sainsbury. In Deutschland sind die Kataris an Volkswagen, Hochtief und Siemens beteiligt. Dem Staatsfonds des Emirats geht es darum, die Überschusse aus dem Gas-Geschäft in langfristige Geldanlagen zu investieren.

Trotz teilweise erheblicher Verluste - zum Beispiel beim Einstieg beim inzwischen zweimal insolventen Solarworld oder auch bei der Deutschen Bank - sei Katar zufrieden mit seinen Engagements in Deutschland, sagte der Finanzminister Katars Finanzminister Ali Scharif al-Emadi beim Deutsch-Katarischen Wirtschaftsgipfel im Herbst vergangenen Jahres in Berlin. "Wir sind ein Ausdauerspieler - und das in allen Sektoren."

Der Reichtum Katars beruht auf seinen Gasvorräten, den drittgrößten der Welt. Das Emirat gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Erde. Allerdings steht Katar derzeit politisch sehr unter Druck. Laut Medienberichten werfen Katars Nachbarn dem Emirat Unterstützung sunnitischer Terrorgruppen vor, angeblich auch die Zusammenarbeit mit dem Iran. Im Juni 2017 verhängten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain eine Blockade gegen Katar.

nb