Toyota Auris
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Autosalon beginnt Schaulaufen mit Schattenseiten

Stand: 05.03.2018, 14:53 Uhr

Wie jedes Jahr trifft sich die Autobranche auch in diesem Jahr zu ihrer traditionellen Frühjahrsmesse in Genf. Viele Premieren stehen auf dem Programm. Überschattet wird die Veranstaltung von der Drohung der USA, Autoimporte aus der EU mit Strafzöllen zu belegen.  

Zwar handelt es sich bisher nur um einen Tweet von Präsident Donald Trump, doch wird die Drohung in den Chefetagen der Autohersteller sehr ernst genommen. Strafabgaben auf Autos aus Europa würden ganz besonders die deutschen Hersteller treffen. Zwar sind die USA kein so wichtiger Markt wie China, dennoch haben BMW, Daimler und Volkswagen dort im vergangenen Jahr 1,35 Millionen Fahrzeuge verkauft. Damit kamen sie auf einen Marktanteil von knapp acht Prozent.

Entsprechend negativ reagieren am Montag die Anleger. BMW und Daimler gehören zu den schwächsten Werten im Dax. Auch Volkswagen-Papiere stehen zunächst unter Druck. "Die Drohung von Trump ist zwar nicht neu, aber eindeutig ein Risiko für die deutschen Autohersteller", sagte ein Händler.

Verunsicherte Dieselfahrer

Sollten in Mexiko produzierte Autos und Autoteile nicht unter Strafzölle fallen, wäre BMW am stärksten von US-Zöllen betroffen. Denn die Münchener haben im Vergleich zu den Konkurrenten VW und Mercedes kein Werk in Mexiko. Die Münchener exportierten einen vergleichsweise hohen Anteil ihre Fahrzeuge in die USA, da sie im US-Werk in Spartanburg lediglich die Modelle des Geländewagens "X" herstellten.

Gedämpft wird die Stimmung am Lac Léman auch vom jüngsten Gerichtsurteil zu möglichen Fahrverboten für ältere Dieselautos in Deutschland. "Die Verunsicherung bei Käufern und Industrie ist groß", sagt Branchenexperte Stefan Bratzel, Chef des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Viele Autos zum Träumen

In Genf versuchen die Hersteller dem Thema "Diesel" so weit wie möglich auszuweichen und präsentieren neue Studien zum Thema E-Mobilität und autonomes Fahren, die schon bald auf den Markt kommen sollen. Toyota stellt neben dem neuen Auris mit Hybridmotor und dem kleinen Aygo seine E-Autos der Concept-i-Familie ins Rampenlicht. Renault hat den Bestseller Zoe mit stärkerem Elektroantrieb im Gepäck. Und Volkswagen präsentiert als Messe-Highlight die Studie eines selbstfahrenden Autos (I.D. Vizzion), das ohne Lenkrad auskommt.

Doch wie jedes Jahr wollen die Hersteller auch diesmal viele Autos zum Träumen enthüllen, bei denen es zuerst auf PS-Stärke, Eleganz und Luxus ankommt und weniger auf Klimaschutz. Mercedes zeigt neben der neuen A-Klasse und der überarbeiteten C-Klasse auch den Hochleistungs-Geländewagen AMG G 63 mit 585 PS. BMW richtet die Aufmerksamkeit auf den neuen SUV X4. Peugeot enthüllt sein neues Oberklassemodell. Auch setzen viele Hersteller weiter auf Modelle im derzeit beliebten SUV-Segment.

Verlorenes Vertrauen

An Bord ihrer Fahrzeuge präsentieren die Oberklasse-Hersteller verstärkt auch digitale Assistenten mit Sprach- und Gestensteuerung, die auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhen: In der A-Klasse findet sich die "Mercedes Benz User Experience". Und der Audi A6 ist wie der große Bruder A8 mit einem "smarten" digitalen Beifahrer ausgestattet.

Die Vielfalt der Modelle, Antriebsarten und technischen Neuheiten kann jedoch nicht verdecken, dass die Branche in einer Zwickmühle steckt. Nicht nur, weil die Kundschaft verunsichert ist, und sich Elektroautos - auch wegen der fehlenden Infrastruktur zum Nachladen - noch nicht in großer Stückzahl verkaufen lassen. Die Autobauer müssen auch das durch Abgasschummeleien beim Diesel verlorene Vertrauen zurückgewinnen, wenn sie die ab 2021 geltenden schärferen Klimavorgaben erfüllen und Strafzahlungen vermeiden wollen.

Insgesamt werden auf dem Genfer Autosalon 900 Modelle ausgestellt, darunter sollen 110 Welt- und Europapremieren sein. Die Veranstalter rechnen mit rund 700.000 Besuchern.

lg

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Das sind die neuen Autos aus Genf Von Aston Martin bis Vizzion

VW I.D. VIZZION

VW I.D. VIZZION
VW stellt mit dem Vizzion seine vierte Elektroautostudie vor. Diesmal handelt es sich um ein autonomes Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale. Das Auto verfügt über sogenannte Selbstmördertüren. Das elektrisch angetriebene Fahrzeug ist mit einem 111-kWh-Akku ausgerüstet, der eine Reichweite von bis zu 665 km ermöglichen soll. Ausgestattet mit zwei Elektromotoren soll das Auto eine Gesamtleistung von 225 kW (rund 302 PS) und eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h erzielen.