Georg F. W.  Schaeffler und Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann
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Prognose für 2020 kassiert Schaeffler: Fünf kleinere Werke müssen schließen

Stand: 06.03.2019, 18:11 Uhr

Die Gewinnwarnung im Oktober und der darauf folgende rasante Einbruch des Aktienkurses ließen nichts Gutes erahnen für den Autozulieferer. Nun stellt sich heraus: 2019 und 2020 werden noch schlechter.

So dürfte die Ebit-Marge im laufenden Jahr auf acht bis neun Prozent schrumpfen, nachdem sie 2018 noch 9,7 Prozent und 2017 gar 11,3 Prozent betragen hatte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank im vergangenen Jahr um 12,8 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Unter dem Strich ging der Konzerngewinn im vergangenen Jahr um 10,1 Prozent auf 881 Millionen Euro zurück. Dennoch sollen die Anteilseigner eine unveränderte Dividende von 0,55 Euro erhalten.

Auch bei der Umsatzentwicklung bekommt Schaeffler die Umbrüche in der Automobilindustrie zu spüren. So sollen die Erlöse in diesem Jahr nur noch zwischen ein und drei Prozent zulegen - vor Währungseinflüssen. Gut möglich also, dass es bereinigt zu einem Umsatzrückgang kommen könnte.

Kosten senken

Schaeffler AG CEO Klaus Rosenfeld

Schaeffler-CEO Klaus Rosenfeld. | Bildquelle: picture alliance/Mikhail Klimentyev/TASS/dpa

Im vergangenen Jahr schaffte Schaeffler noch einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 3,9 Prozent auf 14,24 Milliarden Euro. Angesichts des rauen Gegenwinds, der der Autoindustrie derzeit ins Gesicht bläst, lassen sich auch die Prognosen für das kommende Jahr nicht mehr realisieren.

Die finanziellen Ziele für das Jahr 2020 seien nicht mehr erreichbar, räumte Vorstandschef Klaus Rosenfeld ein. Deshalb muss ein neues Sparprogramm her. In einem ersten Schritt dieser bis 2024 angelegten Maßnahmen will Schaeffler die Kosten um 90 Millionen Euro pro Jahr senken. Damit soll die operative Marge um einen Prozentpunkt verbessert werden.

"Das Problem in der Automotive-Sparte ist, dass wir ein sehr breites Portfolio haben. Wir müssen selektiver werden", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Mittwoch in München. Kleinere Teile des Motoren- und Getriebegeschäfts, wie die Produktion von Handschaltungen, will Rosenfeld verkaufen. Fünf kleinere Werke sollen aufgegeben werden. Das Sparprogramm namens "RACE" sei nur ein erster Schritt beim Umbau. "Das ist in einer Phase nicht zu machen", sagte Rosenfeld.

900 Stellen weg

Insbesondere die Autozuliefersparte ist wegen der Marktschwäche betroffen. Rund 900 Stellen sollen insgesamt wegfallen, 700 davon in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollen jedoch vermieden werden.

Außerdem sollen im selben Zeitraum die Investitionen nicht mehr als 900 Millionen Euro pro Jahr betragen. Schließlich soll der Auftragseingang in den Bereichen E-Mobilität und Fahrwerkmechatronik innerhalb der kommenden drei Jahre auf 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr gesteigert werden.

Aktie schrumpft weiter

Mittelfristig soll die operative Marge vor Sondereffekten im hohen einstelligen Prozentbereich liegen - bisher hatte Schaeffler für das Jahr 2020 noch eine Zielrendite von 12 bis 13 Prozent im Plan. Auch die Verschuldung könnte wieder spürbar steigen, Schaeffler will bis zu 5 Milliarden Euro Fremdkapital über Anleihen einnehmen.

Am Aktienmarkt kommen die Zahlen erwartungsgemäß schlecht an. Die Schaeffler-Papiere brechen am Morgen um über zehn Prozent ein. Kursbelastend an diesem Mittwoch ist auch der anstehende MDax-Rauswurf. Schaeffler muss zum 18. März aus dem Index der mittelgroßen Werte weichen und wird künftig im SDax notiert sein.

lg