Saudi Aramco

Nach Angriffen auf Ölanlagen Saudi Aramco: Börsengang offenbar verschoben

Stand: 24.09.2019, 16:19 Uhr

Es sollte der spektakulärste Börsengang aller Zeiten werden. Doch auch im zweiten Anlauf wird das vorerst nichts: In diesem Jahr wagt der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco den Gang aufs Parkett wohl nicht mehr.

Es sei unwahrscheinlich, dass Saudi-Arabien noch in diesem Jahr einen Anteil am staatlichen Energieriesen an die Börse bringen werde, behaupten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Nach den Anschlägen auf Ölfelder des Konzerns gehe es nun vor allem darum, Vertrauen wieder aufzubauen, sagte ein Insider.

Bei potenziellen Investoren habe es zuletzt Zweifel darüber gegeben, ob der Zeitpunkt für den Börsengang günstig sei. Früheren Insiderangaben zufolge war angestrebt, im November zunächst ein Prozent von Saudi Aramco am Kapitalmarkt zu platzieren. Insgesamt wollte das Königreich bis zu fünf Prozent des Unternehmens an die Börse bringen. Mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden Dollar wäre es der mit Abstand größte Börsengang der Welt.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das "Wall Street Journal" berichtet, dass der Börsengang nach den Drohnenangriffen auf die Ölanlagen auf der Kippe stehe. Bevor es aber zu einer Änderung der Pläne komme, müsse erst Klarheit über die Schäden an den Anlagen herrschen.

Der Vorstandsvorsitzende von Saudi Aramco, Jassir Al-Rumajjan, hielt vor ein paar Tagen dagegen und sagte, das Land stehe trotz der Anschläge weiterhin zu dem Vorhaben und wolle den Gang aufs Parkett innerhalb der nächsten zwölf Monate vollziehen.

Rückschlag für die Deutsche Bank?

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman. | Bildquelle: Imago

Die Milliardeneinnahmen aus dem IPO will Kronprinz Mohammed bin Salman in den Umbau der Wirtschaft stecken. Es sollen gigantische Infrastrukturprojekte gestemmt werden in verschiedenen Branchen der Energie- und Wasserwirtschaft, der Biotechnologie oder der Unterhaltungsbranche.

Saudi-Arabien hatte die seit Jahren geplante Emission wegen interner Streitigkeiten über die Wahl des zweiten Börsenplatzes und über die Bewertung des Konzerns schon im Sommer 2018 einmal auf Eis gelegt. Stattdessen kaufte Aramco für 69 Milliarden Dollar 70 Prozent der Anteile des saudischen Petrochemieriesen Sabic.

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Im Juli nahm das Königreich die Pläne schließlich wieder auf - erneut mit einem schlechten Ende? Auch für die Deutsche Bank wäre das ein Rückschlag: Erst vor ein paar Tagen hatte die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtet, dass Saudi Aramco neben der UBS auch das deutsche Geldhaus als Konsortialführer für den geplanten Börsengang angeheuert habe.

tb