SAP-Chef Bill McDermott
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Nach jüngsten Abgängen SAP-Chef will Börsenwert mehr als verdoppeln

Stand: 11.04.2019, 11:07 Uhr

Das ist eine Ansage, die Aktionäre eigentlich glücklich machen sollte: SAP-Chef Bill McDermott kündigt in einem Zeitungsbericht an, die Marktkapitalisierung des Software-Konzerns auf 300 Milliarden Euro steigern zu wollen. Trotzdem bleiben die Anleger kühl - derzeit ist die Lage bei SAP ziemlich turbulent.

Die Aktie bewegt sich trotz der ungewöhnlich mutigen Aussage McDermotts kaum von der Stelle. Dabei ist die Aussage doch ganz im Sinne der Investoren: „Gemessen an der Börsenbewertung von reinen Cloud-Anbietern, haben wir noch Potenzial in unserem Portfolio für weitere 90 Milliarden Euro Marktwert", sagte der SAP-Chef der „FAZ“. „Wir planen bis 2023, die Marktkapitalisierung auf 250 bis 300 Milliarden Euro zu steigern. Das Fundament dafür ist heute bereits gelegt.“ Aktuell ist SAP an der Börse 122 Milliarden Euro wert.

Zwei Abgänge im Vorstand

Vermutlich haben einige Anleger das Gefühl, der Boss möchte gerne davon ablenken, dass bei die Lage bei SAP zuletzt etwas unruhig war. Vor kurzem hatten Produktvorstand Bernd Leukert und jüngst auch der Cloudsparten-Chef Robert Enslin das Unternehmen verlassen. Leukert war seit 1994 im Unternehmen, Enslin seit 1992. Beide gehörten seit 2014 dem Vorstand des Walldorfer Konzerns an. Leukert hatte unter anderem die wichtige neue Generation der SAP-Kernsoftware zur Unternehmenssteuerung S4 Hana in den Markt gebracht. Enslin steuerte das Wachstumsgeschäft mit der Software über das Internet (Cloud), für das SAP in den vergangenen Jahren für Dutzende Milliarden Euro zugekauft hatte.

„Kein Richtungsstreit“

SAP-Chef McDermott sieht die Führungsriege des größten europäischen Softwareherstellers trotzdem gut aufgestellt. „Es gibt und gab keine Probleme im Vorstand“, sagte der US-Amerikaner der Zeitung. „Wenn zwei Vorstände, die zusammen fünfzig Jahre für SAP gearbeitet haben, nach langer Zeit etwas Neues planen, dann ist das völlig normal.“

Auch einen Richtungsstreit oder Probleme bei der Integration übernommener Firmen stritt McDermott ab. „Unser Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner und ich sind vollständig auf einer Linie.“

Hasso Plattner SAP Mitbegründer

Hasso Plattner. | Quelle: picture-alliance/dpa

„Know-how ist einfach weg“

Derzeit läuft bei dem Konzern die nächste Umbauwelle, 4.400 Stellen will SAP umschichten. „Wie viele der hiervon betroffenen Mitarbeiter letztlich im Unternehmen bleiben, können wir heute noch nicht sagen“, erklärte McDermott.

Der Betriebsrat des Walldorfer Softwareriesen hat den geplanten Stellenabbau als zu rigoros und kurzsichtig kritisiert. „In den USA sind ganze Standorte dichtgemacht worden und es fehlten von heute auf morgen Ansprechpartner. Da ist viel Kredit verspielt worden“, sagte SAP-Betriebsratsmitglied Eberhard Schick der Nachrichtenagentur Reuters auf Anfrage. „Know-how ist einfach weg, was man durchaus noch gebraucht hätte. Das zeigen ja auch die Rückholaktionen, von denen man im Nachgang erfahren hat.“

ts

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