SAP-Logo und Wolken

Aktie auf Rekordhoch SAP: Die Cloud lässt Corona vergessen

Stand: 09.07.2020, 09:54 Uhr

SAP kommt besser durch die Krise als erwartet. Sowohl bei Umsatz als auch beim Ergebnis übertrifft der Software-Konzern die Erwartungen der Experten. Das stetig wachsende Cloud-Geschäft hat daran einen großen Anteil. Die Anleger sind begeistert.

Mit einem Aufschlag von rund sieben Prozent auf in der Spitze 138,18 Euro führen die Titel von SAP den Dax an - Rekordhoch. Das zweite Quartal des Softwarekonzerns sei mit Blick auf die Eckdaten gut verlaufen, schrieb Analyst Mohammed Moawalla von Goldman Sachs. Besonders die Lizenzerlöse hätten sich solide entwickelt. In der Phase des stärksten Lockdown in der Corona-Krise habe sich das Unternehmen als widerstandsfähig erwiesen, lobte die Expertin Stacy Pollard von der US-Bank JPMorgan.

Das Betriebsergebnis (Ebit) sei im zweiten Quartal währungsbereinigt um sieben Prozent auf 1,96 Milliarden Euro geklettert, teilte der Walldorfer Dax-Konzern mit. "Unsere schnelle Reaktion auf die Krise auf der Kostenseite förderte einen starken Anstieg des Betriebsergebnisses und der Marge", sagte Finanzchef Luka Mucic.

Um die Kosten zu senken, stellt SAP seit Beginn der Pandemie weniger neue Mitarbeiter ein und verzichtet auf Geschäftsreisen. Die am Aktienmarkt vielbeachtete operative Marge kletterte um 1,6 Prozentpunkte auf 28,9 Prozent. Auch der Umsatz zog mit plus zwei Prozent auf 6,74 Milliarden Euro überraschend an, Experten hatten mehrheitlich mit einem Rückgang gerechnet.

Cloud: Hoher Auftragsbestand

"Ich bin sehr stolz darauf, dass unsere Teams das sehr schwierige Umfeld erfolgreich gemeistert und ein besseres Quartalsergebnis erreicht haben als erwartet", sagte Vorstandschef Klein. Die breite Angebotspalette des Konzerns spiele eine entscheidende Rolle für die Digitalisierung bei den Kunden. "Dadurch können unsere Kunden gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagte Klein. Und SAP natürlich auch.

Treiber war bei den Erlösen erneut das Geschäft mit Cloudsoftware, das um rund ein Fünftel auf 2,04 Milliarden Euro zulegte. Normalerweise verzeichnet SAP hier noch höhere Wachstumswerte. Doch das Geschäft wurde im zweiten Quartal aufgrund der Corona-Krise durch geringere volumenabhängige Transaktionsumsätze beeinflusst.

Christian Klein, SAP

Christian Klein. | Bildquelle: Unternehmen

Der Auftragsbestand der bereits geschlossenen Cloudverträge dürfte allerdings voraussichtlich um ein Fünftel gewachsen sein, hieß es. Die Nachfrage nach digitalen Logistikketten, E-Commerce, der Cloudplattform und nach Lösungen der Marktforschungstochter Qualtrics sei weiterhin hoch.

Prognose bestätigt

SAP bestätigte die nach dem ersten Quartal gesenkten Jahresprognosen. Nachdem sich die Corona-Krise im letzten Monat des ersten Quartals weltweit deutlich auf die Wirtschaft ausgewirkt habe, sei die Geschäftstätigkeit im Laufe des zweiten Quartals allmählich wieder angezogen, hieß es von SAP. Zahlen zum Nettoergebnis nannte SAP zunächst nicht, die detaillierten Ergebnisse legt SAP am 27. Juli vor.

ts

Was macht die Cloud so interessant?

Cloud-Anbieter stellen den Unternehmen oder Privatpersonen per Vermietung Rechenkapazitäten und Speicherplatz bereit, auf die sie über das Internet zugreifen können. Die Daten werden praktisch über eine bestimmte Software auf den Server eines Cloud-Anbieters hochgeladen und können dort auch wieder abgerufen werden. Es ist also so etwas wie eine Plattform für die IT-Abteilung. Für die Unternehmen besteht der Charme dieser Lösung darin, dass sie flexibler sind und Kosten sparen für die Pflege und Unterhaltung von eigenen Rechenzentren. Die Anbieter hingegen können mit langfristig planbaren Einnahmen rechnen.