SAP-Zentrale in Waldorf

US-Tochter soll an die Börse SAP: Jetzt wird umgebaut

Stand: 27.07.2020, 07:48 Uhr

SAP-Chef Christian Klein baut den unter seinem Vorgänger aufgeblähten Konzern um. Dazu gehört, dass der erst Ende 2018 vollzogene US-Milliardenzukauf Qualtrics an die Börse gebracht wird. Und das ist nur der Auftakt für die Veränderungen im Konzern.

Mit der Entscheidung den Marktforscher Qualtrics teilweise wieder zu versilbern überraschte SAP die Anleger in der vergangenen Nacht. Dabei hatten die Walldorfer acht Milliarden Dollar für das Unternehmen hingeblättert.

Ex-Chef Bill McDermott hatte mit der Qualtrics-Übernahme die Verzahnung von Software zur Unternehmenssteuerung - eine SAP-Domäne - und von Software rund um Daten zum Verbraucherverhalten angepriesen. Das sollte die Unternehmenskunden von SAP in die Lage versetzen, ihre Geschäfte ganz neu zu steuern, um im Vermarkten eigener Produkte erfolgreicher zu werden.

Deutschlands wertvollstes Unternehmen

Doch die Rechnung ging offenbar nicht auf. Eine endgültige Entscheidung über die Emission, den Zeitplan und die Bedingungen steht noch aus. Diese hänge auch vom Marktumfeld ab. Derzeit ist an den Märkten bei Technologie-Werten eine Rally ausgebrochen, weil Anleger wegen der Corona-Krise verstärkt nach Investitionsmöglichkeiten mit Zukunftsperspektive suchen.

Fest steht jedoch, dass Qualtrics-Chef und Gründer Ryan Smith nach dem Börsengang größter Privataktionär werden wird. Auch der SAP-Kurs selbst ist zuletzt wieder in neue Rekordhöhen gestiegen und kletterte vergangene Woche erstmals über 140 Euro. Der Softwarehersteller ist mit einem Börsenwert von knapp 170 Milliarden Euro mit Abstand Deutschlands wertvollster börsennotierter Konzern.

Spielraum für weitere Investitionen

Durch den Börsengang gewinne SAP Spielraum für weitere Investitionen, kündigte Finanzvorstand Luka Mucic am Morgen an. Dies könnten auch Akquisitionen sein. Er gehe davon aus, dass das Finanzmarktdebüt "alle Zutaten" haben werde, um von Investoren gut aufgenommen zu werden.

Christian Klein, SAP

Christian Klein. | Bildquelle: Unternehmen

Qualtrics habe mit einem Umsatzwachstum von mehr als 40 Prozent im vergangenen Jahr alle Erwartungen übertroffen, sagte SAP-Vorstandschef Christian Klein. Mit möglichen Erlösen aus einem Börsengang könnte SAP weitere Zukäufe finanzieren oder Geld an die Aktionäre weiterreichen.

Blendende Geschäfte

Zuletzt hatte es in Walldorf auch Knatsch gegeben über das oft selbstbewusste Eigenleben der US-Zukäufe von SAP. Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte dem neuen Voprstandschef Christian Klein daher ins Stammbuch geschrieben, die Cloudfirmen insgesamt besser in den Konzern und die eigenen Stammprodukte zu integrieren.

Die Geschäfte für SAP laufen derzeit blendend. Der Konzern bestätigte den Ausblick für 2020 wie auch für 2023. Im April hatte Europas wertvollstes Technologieunternehmen wegen der Corona-Krise seine Erwartungen nach unten geschraubt. "Mit unseren Investitionen in strategische Wachstumsfelder sind wir zuversichtlich, dass wir nicht nur die Krise bewältigen, sondern auch gestärkt aus ihr hervorgehen werden", sagte Mucic.

50 Prozent mehr Gewinn

Anfang Juli hatte SAP bereits Einblick in das zweite Quartal gegeben, das überraschend gut verlief. So kletterte der Nettogewinn im Vorjahresvergleich um 52 Prozent auf 885 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie stieg um sieben Prozent auf 1,17 Euro.

"Mehr als je zuvor ist durch die Pandemie deutlich geworden, dass Digitalisierung keine Option mehr, sondern zwingend notwendig ist, um schwierige Zeiten zu meistern und die gewünschten Geschäftsergebnisse zu erzielen", kommentierte Vorstandschef Klein die Ergebnisse.

lg