SAP-Chef Bill McDermott
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Aktie startet zehn Prozent tiefer SAP testet die Geduld der Anleger

Stand: 18.07.2019, 17:35 Uhr

Traditionell eröffnet das mittlerweile wertvollste deutsche Unternehmen die deutsche Berichtssaison. Leider ist der Start diesmal gründlich misslungen. Dabei bekräftigte das SAP-Management seine ambitionierten Ziele.

Im zweiten Quartal musste SAP einen empfindlichen Ergebnisrückgang hinnehmen. Abfindungen für Tausende ausscheidende Mitarbeiter und Übernahmekosten drückten das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut ein Fünftel auf 827 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Morgen mitteilte.

Die SAP-Aktie verlor im frühen Handel fast zehn Prozent an Wert und zog als Titel mit dem größten Indexgewicht den Dax stark nach unten. Bis zum Xetra-Schluss verringerte sich das Tagesminus auf 5,6 Prozent. "Es ist wohl der schlechteste Start in die Berichtssaison am deutschen Aktienmarkt, den man sich hätte vorstellen können", sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Brokerhaus CMC Markets.

Cloud bleibt Wachstumstreiber

Auch die Auszahlung von Aktienboni an Beschäftigte des zuletzt gekauften milliardenteuren Unternehmens Qualtrics nagten am Ergebnis. Bereinigt um solche Sonderfaktoren verbesserte sich das operative Ergebnis hingegen um elf Prozent auf 1,82 Milliarden Euro und lag damit etwas unter der Erwartung von Analysten. Ebenso stark legte der bereinigte Umsatz auf 6,6 Milliarden Euro zu - hierbei blieb das Geschäft mit Cloud-Software über das Internet mit einem Plus von 40 Prozent der Wachstumstreiber.

Aufbruch in die Cloud

Cloud-Software wird nicht mehr auf Rechnern installiert, sondern ist über das Internet jederzeit auch von Mobiltelefonen oder Laptops verfügbar. Das macht die Software-Nutzung einfacher und kostengünstiger. Und - je nachdem, wo der Cloud-Server steht - auch sicherer, heißt es. Bezahlt wird meist über eine regelmäßige Abo-Gebühr, weshalb man auch von Mietsoftware spricht.

Renditesprung 2020 versprochen

SAP-Logo und Wolken
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SAP: Schlechtes Omen für die Berichtssaison?

Das Management macht unterdessen klar, dass das laufende Jahr eher als Übergangsjahr zu verstehen sei. Das Programm zur Gewinnsteigerung dürfte erst 2020 Früchte tragen. In diesem Jahr sei wegen der Belastungen durch ein Abfindungsprogramm und Kosten für die Qualtrics-Übernahme noch nicht mit einem ganzen Prozentpunkt mehr Rendite zu rechnen, erklärte Finanzvorstand Luka Mucic am Donnerstag gegenüber Reuters. Doch 2020 sei dann ein "sehr, sehr bedeutender Schritt vorwärts" zu erwarten.

Ziele für 2019 bekräftigt

Auch Vorstandschef Bill McDermott betonte, SAP sei dem Ziel einer operativen Renditesteigerung um fünf Prozentpunkte bis 2023 auf 34 Prozent "absolut verpflichtet" und zufrieden mit den Fortschritten dabei. Auch der Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sei felsenfest. Das Betriebsergebnis soll währungsbereinigt um 9,5 bis 12,5 Prozent auf 7,85 bis 8,05 Milliarden Euro steigen. "Wir sind sehr zuversichtlich über 2019", unterstrich McDermott.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: SAP - einziger Technologie-Hoffnungsträger

Der weltweit führende Hersteller von Software zur Unternehmensführung arbeitet schon seit rund einem Jahrzehnt daran, sich vom reinen Lizenzverkäufer zum Anbieter von Software-Abos über das Internet zu wandeln. Das ging mit milliardenschweren Firmenkäufen und zunächst niedrigeren Margen bei Cloud-Software einher. In diesem Jahr wagte sich SAP wieder an ein konkretes Renditeziel heran und versprach, bis 2023 jährlich einen Prozentpunkt draufzupacken. Der Umsatz soll zugleich um rund zehn auf 35 Milliarden Euro schnellen, sodass der Dax-Konzern ein Betriebsergebnis von zwölf Milliarden Euro erreichen würde. SAP müsse jetzt liefern, forderten Analysten etwa der Banken JPMorgan Cazenove oder HSBC.

Ob SAP sein Gewinnversprechen hält, verfolgt seit Kurzem auch der neue Aktionär Elliott. Der US-Hedgefonds gab mehr als eine Milliarde Euro für knapp ein Prozent am wertvollsten Dax-Unternehmen aus. Neben mehr Rendite erhoffen sich die Amerikaner einen Aktienrückkauf, den SAP bis zu einem Kapitalmarkttag im November prüfen will.

rtr/la