SAP-Führungsduo Jennifer Morgan und Christian Klein

Viel zu tun für die Neuen SAP – die Baustellen hinter der glänzenden Fassade

von Angela Göpfert

Stand: 28.01.2020, 08:17 Uhr

Europas größter Softwarekonzern hat 2019 einen Gewinneinbruch verzeichnet. Und das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die neuen SAP-Chefs besser rasch befassen sollten.

Im vergangenen Jahr hat SAP viel Geld für einen Stellenabbau und Mitarbeiterboni ausgegeben. Die Quittung bekommt der Dax-Konzern am Dienstagmorgen präsentiert: 2019 fiel der Gewinn um 17 Prozent auf 3,39 Milliarden Euro zurück.

Immerhin: Das um Sondereffekte und Währungseffekte bereinigte Betriebsergebnis kletterte um 15 Prozent auf 8,21 Milliarden Euro und fiel damit wie von Analysten erwartet aus.

Prognose angehoben

Klammert man diese Effekte jedoch aus, so verzeichnete der Marktführer für Firmensoftware ein – nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) – um 21 Prozent fallendes Betriebsergebnis.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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SAP-Finanzchef Luka Mucic zeigte sich dennoch zufrieden: "Das fünfte Jahr in Folge haben wir unseren Ausblick für das Geschäftsjahr erreicht." Wachstumstreiber blieb das Geschäft mit Software-Abonnements über das Internet – der Cloud-Umsatz stieg bereinigt um 35 Prozent. Das traditionelle Geschäft mit Lizenzen und Wartung lag hingegen nur ein Prozent über Vorjahr.

Für das neue Geschäftsjahr 2020 nimmt sich SAP nun ein etwas stärkeres Wachstum bei Umsatz und Ergebnis vor als zuletzt in Aussicht gestellt.

Aktie und Mitarbeiterzahl auf Rekordhoch

Keine Frage, auf den ersten Blick steht SAP trotz des Gewinnrückgangs 2019 hervorragend da. Die Aktie hat binnen fünf Jahren mehr als 120 Prozent zugelegt und jüngst bei 127,00 Euro ein Rekordhoch markiert. Erstmals in seiner Geschichte beschäftigt der Dax-Konzern mehr als 100.000 Mitarbeiter.

SAP-Chart

SAP-Aktie - von Hoch zu Hoch . | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY erreicht SAP im globalen Ranking der Börsenschwergewichte Platz 51 – und ist damit der wertvollste deutsche Konzern. In der "BrandZ"-Rangliste der Marktforschungsfirma Kantar ist SAP weiterhin die wertvollste Marke in Deutschland.

(Zu) teure Qualtrics-Übernahme

SAP-Chef Bill McDermott

Kaufte gerne viel und teuer ein - Ex-SAP-Chef Bill McDermott . | Bildquelle: picture alliance / Uwe Anspach/dpa

Doch hinter der glänzenden Fassade tut sich der eine oder andere Abgrund auf. So hat SAP unter der Ägide seines langjährigen Chefs Bill McDermott zahlreiche teure Übernahmen abgeschlossen. Für kleine Spezialisten wurde Hunderte von Millionen oder gar mehrere Milliarden Dollar hingeblättert.

Spitzenreiter in der hausinternen Rangliste ist der acht Milliarden Dollar schwere Kauf des Marktforschungsspezialisten Qualtrics im Januar 2019. Zum Vergleich: Im vierten Quartal steuerte Qualtrics gerade einmal 156 Millionen Euro zum SAP-Umsatz bei.

Das Problem: Bricht die Konjunktur ein oder bleiben die Übernahmen hinter den Erwartungen zurück, müsste SAP seine Akquisitionen neu bewerten, es drohen Abschreibungen.

Konzernspitze vermisst Teamgeist

Das wäre dann Aufgabe von Christian Klein und Jennifer Morgan, die im Oktober das Chef-Amt von Bill McDermott übernommen haben. Doch die beiden Neuen haben jenseits von Bilanzfragen noch ganz andere Sorgen. Denn durch die vielen Übernahmen sind zahlreiche Parallelstrukturen im Konzern entstanden, welche die Kunden zunehmend verwirren und Re-Organisationen nötig machen. Ein mangelnder Teamgeist scheint ebenfalls eine Folge der Übernahmewelle zu sein.

Klein und Morgan haben daher bereits angekündigt, den Vertrieb des Walldorfer Unternehmens neu aufzustellen. Es gebe Verbesserungsbedarf dabei, "als EIN Team" aufzutreten, heißt es in einer E-Mail, die die beiden vor kurzem an die rund 100.000 Mitarbeiter verschickt haben. Dazu sollen diverse Tochterfirmen besser in das Vertriebsressort des Gesamtkonzerns integriert werden. Europas größter Software-Konzern soll nach dem Willen der Neuen künftig mehr mit einer Stimme sprechen.