Jennifer Morgan, SAP

Quartalsbericht und Personalentscheidung SAP: Co-Chefin Jennifer Morgan geht

Stand: 21.04.2020, 14:49 Uhr

Die Coronakrise hinterlässt nicht nur Spuren in der SAP-Bilanz: Europas größter Softwarehersteller trennt sich von seiner erst vor wenigen Monaten an die Spitze geholten Co-Chefin Jennifer Morgan. Christian Klein macht künftig alleine weiter.

Die 48-Jährige habe sich mit dem Aufsichtsrat einvernehmlich darauf verständigt, das Unternehmen zum 30. April zu verlassen, wie SAP mitteilte. Ihr bisheriger Co-Chef Christian Klein werde das Unternehmen künftig alleine führen.

"Volles Vertrauen"

Als Grund nannte SAP die "aktuelle Situation", die "schnelles, entschlossenes Handeln" und eine klare Führungsstruktur verlange. Die "Entscheidung zurück zum Modell eines alleinigen Vorstandssprechers" sei daher früher gefallen als geplant. "SAP benötigt eine klare Führung", sagte Klein am Dienstagmorgen zu Journalisten.

Morgan und Klein hatten erst Mitte Oktober gemeinsam die Nachfolge des bisherigen Konzernchefs Bill McDermott angetreten. Morgan gehörte den Angaben zufolge seit 2017 dem SAP-Vorstand an. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner dankte ihr für ihr Engagement an der Unternehmensspitze und drückte zugleich Klein gegenüber sein "volles Vertrauen" in einer "Zeit weltweit großer Unsicherheit" aus.

"Keine persönliche Sache"

Als praxistauglich hat sich die Doppelspitze offenbar nicht erwiesen. Morgan und Klein seien sich einig gewesen, dass sie nicht geeignet gewesen sei, um so schnell, klar und direkt auf die Auswirkungen der Coronavirus-Krise zu reagieren und Entscheidungen zu treffen, hieß es vom Unternehmen. Probleme zwischen ihnen habe es nicht gegeben, betonte Klein: "Das war keine persönliche Sache."

In der Mitteilung zu ihrem Weggang nennt Morgan ihre Zeit bei SAP ein "großes Privileg". "Angesichts des beispiellosen Wandels in der Welt ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu einem CEO für das Unternehmen zurückzukehren", betont sie zudem.

Analysten skeptisch

Von Experten wurde die Nachricht eher skeptisch aufgenommen. Analyst Julian Serafini von Jefferies wies darauf hin, dass mit Morgan eine Expertin für das Cloud-Geschäft gehe, das für SAP immer wichtiger werde. Die Analysten von Baader merkten an, dass eine schlankere Führungsstruktur dabei helfen sollte, in der Krise schnellere Entscheidungen zu treffen.

Corona hinterlässt auch Spuren in der Bilanz

Mit der Corona-Pandemie steht auch das wertvollste deutsche börsennotierte Unternehmen unter Druck. SAP hatte jüngst die Jahresprognose kassiert. Aber trotz der Schwierigkeiten hat der Konzern im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn eingefahren.

Zwischen Januar und März verdienten die Walldorfer 811 Millionen Euro. Vor einem Jahr war erstmals seit fast 17 Jahren ein Quartalsverlust angefallen in Höhe von 108 Millionen Euro, weil SAP viel Geld in einen Stellenabbau steckte. Auch die aktienbasierte Mitarbeitervergütung fiel dieses Mal deutlich schwächer ins Gewicht, weil der Aktienkurs nicht mehr so stark zugelegt hat. Viele Mitarbeiter bei SAP bekommen mit steigenden Kursen der eigenen Aktie mehr Geld.

Christian Klein, SAP

Christian Klein. | Bildquelle: Unternehmen

Der Umsatz war im ersten Quartal noch um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte aber nur dank Wechselkurseffekten noch um ein Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zu.

ts/dpa-AFX/rtr