SAP-Chef Bill McDermott
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Große Überraschung Börse feiert SAP

Stand: 11.10.2019, 11:00 Uhr

Völlig überraschend hat der langjährige Vorstandschef des Softwarekonzerns SAP seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung erklärt. Bill McDermott führte SAP seit dem Jahr 2010 äußerst erfolgreich. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hat der Manager sehr gute Quartalszahlen vorgelegt.

Der Umsatz kletterte von Juli bis September um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. Der Gewinn wuchs um 30 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg insgesamt um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das war deutlich mehr als Analysten erwartet hatten, die operative Marge lag mit 30,6 Prozent überraschend hoch. Finanzvorstand Luka Mucic verwies auf die laufenden Maßnahmen zur Restrukturierung und die Optimierung der der betrieblichen Abläufe. SAP hatte Anfang des Jahres angekündigt, bis zu 4.400 Stellen in wenig zukunftsträchtigen Bereichen streichen zu wollen.

Besonders stark entwickelte sich das Cloud-Geschäft bei den Walldorfern. Hier lag das Umsatzplus bei 37 Prozent.

Die SAP-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von rund neun Prozent auf 113,70 Euro. Zu Beginn von McDermotts Amtszeit hatte die SAP-Aktie nur bei rund 33 Euro gelegen. Mit derzeit rund 138 Milliarden Euro Börsenwert ist SAP zum wertvollsten deutschen börsennotierten Konzern geworden.

Einen konkreten Grund für den Rücktritt nannte das Unternehmen zunächst nicht. McDermotts Vertrag lief eigentlich noch bis 2021. Er ist seit 2002 im Unternehmen. "Ohne Bill McDermott wäre SAP nicht das Unternehmen, das es heute ist", sagte Aufsichtsratschef und Mitbegründer Hasso Plattner. Er sei die treibende Kraft in Richtung Cloud gewesen. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", so Plattner. Der Manager habe "maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen", so Plattner weiter.

Was macht die Cloud so interessant?

Cloud-Anbieter stellen den Unternehmen oder Privatpersonen per Vermietung Rechenkapazitäten und Speicherplatz bereit, auf die sie über das Internet zugreifen können. Die Daten werden praktisch über eine bestimmte Software auf den Server eines Cloud-Anbieters hochgeladen und können dort auch wieder abgerufen werden. Es ist also so etwas wie eine Plattform für die IT-Abteilung. Für die Unternehmen besteht der Charme dieser Lösung darin, dass sie flexibler sind und Kosten sparen für die Pflege und Unterhaltung von eigenen Rechenzentren. Die Anbieter hingegen können mit langfristig planbaren Einnahmen rechnen.

McDermott plant, bis Ende des Jahres SAP zu beraten. Er werde so einen reibungslosen Übergang gewährleisten, teilte SAP mit.

Nachfolger werden die beiden Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein. Plattner und McDermott seien davon überzeugt, dass sie "über die Fähigkeiten und die Vorstellungskraft verfügen, um SAP gemeinsam mit uns in die nächste Wachstums- und Innovationsphase zu führen".

ME