SAP-Zentrale in Waldorf

Nach dem Schock SAP-Aktie auf Erholungskurs

Stand: 27.10.2020, 11:45 Uhr

Nach dem verheerenden Kurseinbruch zum Wochenbeginn legt die Aktie des Software-Konzerns am Dienstag zunächst wieder zu. Experten geben allerdings inzwischen überwiegend bescheidenere Kursziele für den Titel aus.

Nach dem größten Kurssturz seit 1999 greifen Anleger am Morgen wieder bei SAP zu. Die Aktien des Software-Konzerns steigen im frühen Handel um bis zu vier Prozent. Die zweite Prognosesenkung des laufenden Jahres hatte die Aktie des größten europäischen Softwarehauses zu Wochenanfang um 21,9 Prozent einbrechen lassen. Inzwischen hat der Dax-Titel die Marke von 100 Euro wieder überschritten, bei hohen Umsätzen an allen Handelsplätzen. Auch ein demonstrativer Kauf von Co-Unternehmensgründer Hasso Plattner dürfte manche Anleger ermutigt haben.

Nach der Prognosesenkung durch das Unternehmen haben auch die Analysten ihren Blick auf die Kurschancen bei der Aktie teils deutlich verändert. Kurszielsenkungen und Abstufungen gab es am Morgen reihenweise.

"Unschöne Kombination"

Anja Kohl
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SAP will's wissen

Das Bankhaus Metzler etwa hat SAP von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 140 auf 105 Euro gesenkt. Niedrigeres Wachstum und nur begrenzte Margensteigerungen seien eine unschöne Kombination, so Analyst Holger Schmidt in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Der Markt sei darauf nicht vorbereitet gewesen und so könnte das Vertrauen in das Management bei Investoren leiden. Der Anlagehintergrund der Aktie sei unter diesen Voraussetzungen nicht mehr attraktiv.

Das Analysehaus RBC liegt mit seinem neuen Kursziel sogar unter dem derzeitigen Aktienkurs. Es wurde auf 93 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Sector Perform" belassen. Laut Analyst Alex Zukin blieben die Umsätze im dritten Quartal hinter den Erwartungen zurück. Der verstärkte Cloud-Fokus trage derweil in den kommenden Jahren zu niedrigeren Margenzielen bei. Damit werde das Geschäftsmodell letztlich aber auch robuster.

Auch zwei US-Großbanken haben nicht allzu hohe Kurserwartungen für die SAP-Aktie. Morgan Stanley traut dem Titel auf Jahressicht noch 124 Euro (zuvor 148 Euro) zu. JPMorgan sieht SAP weiterhin bei 120 Euro und hat die Einschätzung "neutral" beibehalten.

Salesforce-Chef genervt

Vom großen Konkurrenten Salesforce hat sich SAP inzwischen ebenfalls ein wenig schmeichelhaftes Urteil eingehandelt. Der Mitgründer und Chef des Rivalen, Marc Benioff, hat angesichts der gekappten Prognosen der Walldorfer eine Signalwirkung für die ganze Branche abgestritten. "Sie haben die Möglichkeiten der Cloud nicht gut für sich genutzt", sagte Marc Benioff am Montag (Ortszeit) dem Finanzsender Bloomberg TV. "Ich glaube, die Probleme von SAP treffen einzig auf sie zu."

Zudem sieht der streitbare US-Milliardär ein Führungsproblem bei dem wertvollsten deutschen Börsenkonzern. Bei "SAP, da kann man sehen, dass sie sehr bedeutende Probleme mit dem Wechsel an der Vorstandsspitze haben, den sie durchmachen", sagte Benioff angesichts des holprigen Übergangs in der Führungsetage. "Der Übergang läuft einfach nicht rund und ihre Kunden sagen das auch. Nun spiegelt ihre Umsatzentwicklung das auch wider." Salesforce ist Weltmarktführer bei sogenannter Cloud-Software, die von den Kunden über das Internet genutzt und über Abonnements bezahlt wird. Salesforce-Aktien verloren zum Wochenauftakt 3,4 Prozent.

AB