Steinhoff Möbel Lager in Westerstede

"Durchbruch für Anleger" Weg frei für Sammelklage gegen Steinhoff

Stand: 23.05.2019, 10:56 Uhr

Die durch den Kurssturz geschädigten Steinhoff-Anleger können auf Schadensersatz hoffen. Sie können sich einer Sammelklage abschließen, die das Landgericht Frankfurt nun eröffnet.

Die Rechtsanwälte von Tilp, die seit Jahren Kleinanleger juristisch vertreten, sprachen am Donnerstag von einem Durchbruch. Das Landgericht Frankfurt hat den Weg frei gemacht für die erste deutsche Sammelklage gegen Steinhoff. Die Richter haben einen Vorlagebeschluss nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz erlassen. Innerhalb der nächsten Wochen wird ein Musterkläger bestimmt. Dann kann der Musterprozess vor dem Frankfurter Oberlandesgericht losgehen - aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr.

Hat Steinhoff die Anleger zu spät informiert?

Beim Prozess müssen die Richter klären, ob Steinhoff die Anleger nicht oder nicht rechtzeitig über die Bilanzunregelmäßigkeiten informiert hat und diesen Schadensersatz für die enormen Kursverluste zusteht. "Ich bin mir sicher, dass wir Steinhoff eine Vielzahl von Pflichtverletzungen erfolgreich nachweisen und den Anlegern damit zum Sieg verhelfen werden", erklärte Maximilian Weiss von der Tilp Rechtsanwaltsgesellschaft.

Steinhoff: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,06
Differenz relativ
-5,94%

Wie Tilp mitteilt, können sich Anleger nun der deutschen Sammelklage kostengünstig anschließen – entweder durch eine eigene Klage oder durch eine besonders kostengünstige Anmeldung ihrer Ansprüche. Dabei sollten sie aber eine Frist von sechs Monaten nach der Wahl des Musterklägers beachten. Nach Ablauf der Frist ist keine Anmeldung der Ansprüche mehr möglich.

Bilanz um Milliarden aufgebläht

Der Möbelkonzern Steinhoff hatte Ende 2017 Unregelmäßigkeiten in der Bilanz eingeräumt. Daraufhin brach binnen kurzer Zeit der Kurs um mehr als 90 Prozent ein. Mehrere testierte Jahresabschlüsse wurden zurückgezogen. Im März legte die Prüfungsgesellschaft PwC den lange erwarteten Untersuchungsbericht vor. Sie entdeckte "fiktive und unregelmäßige Transaktionen" in einer Höhe von 6,5 Milliarden Euro zwischen 2009 und 2017. Für das Geschäftsjahr 2017 wies Steinhoff nun einen operativen Verlust von 3,7 Milliarden Euro aus.

nb