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Rating nur noch im B-Bereich S&P stuft Deutsche Bank kräftig ab

Stand: 01.06.2018, 09:12 Uhr

Nächster Rückschlag für die Deutsche Bank: Die mächtige Ratingagentur S&P hat die Bonitätsnote des Geldinstituts gesenkt - von "A-" auf "BBB+". Bereits gestern hatten schlechte Nachrichten aus den USA die Aktie in Richtung Rekordtief gedrückt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
-1,88%

Nach einem Kurssturz um sieben Prozent schlossen die Titel mit 9,157 Euro auf dem niedrigsten Schluss-Stand ihrer Geschichte. Zum im Herbst 2016 erreichten Verlaufstief von 8,834 Euro ist es nun nicht mehr weit.

Am Freitag rappelt sich die Aktie am Freitag etwas auf. Sie notiert zur Xetra-Eröffnung um knapp zwei Prozent höher.

Bewertung zwei Stufen niedriger als bei der Konkurrenz

Die schlechtere Bonitätsnote von S&P könnte den Kurs der Aktie aber bald wieder unter Druck setzen. Die Ratingagentur hat am Freitag die Bewertung der Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank auf "BBB+"von "A-" herabgestuft. Damit liegt die Einstufung zwar weiterhin im Investmentbereich, doch die Bonitätsbewertung ist nun zwei bis drei Stufen niedriger als die vieler Konkurrenten. Dem Institut drohen damit nun höhere Finanzierungskosten. Den Ausblick für das Rating erhöhten die Bonitätswächter auf "stabil" von "negativ".

S&P hatte die Überprüfung des Ratings der Deutschen Bank bereits Mitte April - kurz nach dem Chefwechsel - angekündigt. S&P-Analyst Giles Edwards hatte dann gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung liege "bei mindestens 50 Prozent". Auch Moody's prüft eine Herabstufung.

Nur noch drei Stufen bis zum Ramschbereich

Einzig die dritte große Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote und den Ausblick für die Bank nach dem Wechsel an der Spitze von John Cryan zu Christian Sewing nicht angerührt. Nach einer Herabstufung im September ist die Bewertung mit "BBB+" aber bereits eine Note schlechter als bei S&P und Moody's.

Für Banken spielen die Bonitätsnoten eine wichtige Rolle: Je günstiger sie sich refinanzieren können, desto höher sind die Margen bei den ausgereichten Krediten. Die Einstufungen der großen Ratingagenturen liegen bei der Deutschen Bank nun allesamt in der unteren Hälfte des Investmentbereichs und sind drei beziehungsweise vier Stufen vom Ramschbereich entfernt.

Deutsche Bank wird in den USA zur "Problembank"

Bereits am Donnerstag hatten schlechte Nachrichten aus den USA der Deutschen Bank hart zugesetzt: Die US-Einlagensicherung FDIC hat die US-Tochter des Geldhauses im ersten Quartal auf eine Liste von "Problembanken" gesetzt, schrieb die "Financial Times" am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Auch die US-Notenbank Fed soll das amerikanische Geschäft der Deutschen Bank bereits vor einem Jahr als "in schwierigem Zustand" eingestuft haben. Ein solcher Tadel sei selten, hieß es, und habe mit dazu geführt, dass das Geldhaus sich dazu entschlossen habe, Teile des riskanteren Investmentbankings zurückzufahren.

Der neue Chef hat der seit Jahren unter Druck stehenden Bank eine Schrumpfkur verordnet und sich zugleich von den globalen Ambitionen seiner Vorgänger verabschiedet. Sewing will sich vor allem auf das Geschäft in Deutschland und Europa konzentrieren. Im zuletzt schwächelnden Investmentbanking hat er harte Einschnitte angekündigt - vor allem in den USA. Insgesamt soll die Zahl der Stellen der gesamten Bank von derzeit 97.100 auf "deutlich unter 90.000" sinken, erklärte er vor wenigen Tagen auf der Hauptversammlung in Frankfurt. Der Großteil der Stellenstreichungen - vor allem in den USA und Großbritannien - soll bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Der chinesische Deutsche-Bank-Großaktionär HNA steht weiter hinter dem größten deutschen Geldhaus. "HNA glaubt an den langfristigen Erfolg der Deutschen Bank und freut sich darauf, gemeinsam mit dem Vorstand und dem Management-Team an diesem Ziel zu arbeiten", sagte ein Sprecher des Konglomerats am Freitag.

nb

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Gebühren, Kosten - alle wollen Geld

Kosten reduzieren
Die Deutsche Bank hat im Vergleich zu anderen Geldinstituten ein gravierendes Kostenproblem. Die Einnahmen der Bank sind in der jüngsten Vergangenheit stärker gesunken als die bereinigten Kosten. Das Geldinstitut musste 2017 rund 90 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen - gut 11 Cent mehr als 2015. Um die Kosten zu senken, will sich die Bank von rund 10.000 Mitarbeitern, also einem Zehntel der Belegschaft, trennen und den Aktienhandel massiv eindampfen. Gerüchten zufolge plant die Bank außerdem, weitere 188 der 723 Filialen im Privatkundengeschäft zu schließen.