Ryanair-Maschinen am Flughafen Weeze

Zur Nachzahlung verdonnert Ryanair: Schummeln lohnt sich nicht

Stand: 25.01.2019, 14:08 Uhr

Billigflieger versuchen an allen erdenklichen Stellschrauben zu drehen, um Geld zu sparen. Das gilt auch für Ryanair. Die Iren hatten es bei der Angabe des Startgewichts nicht so ganz genau genommen.

Im ordnungs- und detailversessenen Deutschland hat die irische Fluggesellschaft dafür nun eine Schlappe erlitten, die mit einer hohen Geldbuße verbunden ist. Das hessische Verwaltungsgericht entschied, dass Ryanair der Deutschen Flugsicherung (DFS) endgültig eine knappe halbe Million Euro zahlen muss, weil der Billigflieger es beim Startgewicht ihrer Flugzeuge nicht so genau genommen hat.

Um die jeweils niedrigsten Start- und Landegebühren zu zahlen, hatten die Iren für ihre Flüge mit dem Einheitstyp Boeing 737-800 stets das niedrigste mögliche Startgewicht von 67 Tonnen angemeldet. Kontrollen des Luftfahrtbundesamtes im Jahr 2012 hatten bei Flügen zu weiter entfernten Zielen aber deutlich höhere Gewichte ergeben.

Gebühren auf Höchstgewicht gesetzt

Die Flugsicherung setzte daraufhin die Gebühren für alle Flüge seit 2009 auf der Grundlage eines Höchstgewichts von 75 Tonnen neu fest und forderte eine gute halbe Million Euro nach. Ryanair zahlte nur unter Vorbehalt und klagte - nur mit einem kleinen Teilerfolg, wie die Justiz nun bestätigte.

In zwei von 24 Gebührenbescheiden fanden sich laut DFS Formfehler, so dass sich die fälligen Zahlungen um rund 45.000 Euro verringerten. Der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel ließ eine Berufung gegen die Entscheidung aus der ersten Instanz nicht zu, und die entsprechenden Bescheide wurden rechtskräftig.

Im Einklang mit den Vorschriften

Die Flugsicherung sieht sich im Einklang mit internationalen Luftverkehrsvorschriften, nun nur noch den jeweils höchstmöglichen Wert des Startgewichts anzusetzen. Diese Auffassung teilten auch die Gerichte. Eine individuelle Bestimmung des Startgewichts sei ebenso wie eine Durchschnittsberechnung nicht vorgesehen.

Die Ryanair-Aktie reagierte nicht auf das Urteil. Dieses reiht sich aber ein in eine lange Reihe juristischer Auseinandersetzungen, die zeigen mit welch harten Bandagen in der Luftfahrt um Kunden und Preise gerungen wird.

dpa/lg