Maschinen von Ryanair auf dem Rollfeld des Flughafens in Dublin, Irland

Passagierziele verschoben Ryanair nimmt Gas weg

Stand: 03.02.2020, 08:35 Uhr

Die irische Billig-Airline wächst weiter und kann für das abgelaufene dritte Geschäftsquartal auch wieder Gewinne vorweisen. Doch die langfristigen Ziele beim Passagierwachstum muss das Unternehmen gehörig stutzen: Grund ist die Verzögerung bei der Auslieferung der Boeing 737 MAX.

Das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 MAX wirft Europas größten Billigflieger Ryanair bei seinen Wachstumsplänen über Jahre zurück. Die Gesellschaft werde die Schwelle von jährlich 200 Millionen Passagieren ein bis zwei Jahre später erreichen als bisher geplant, teilte Ryanair bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag in Dublin mit. Statt im Geschäftsjahr bis Ende März 2024 werde dieses Ziel erst 2025 oder 2026 erreicht.

Großbestellung noch nicht ausgeliefert

Mit der Auslieferung der ersten Boeing 737 MAX rechnet Ryanair-Chef Michael O'Leary inzwischen nicht mehr vor September oder Oktober 2020. Von den Einsparungen, die sich die Airline durch den geringeren Kerosinverbrauch des Modells verspricht, dürfte daher erst Ende des kommenden Geschäftsjahrs etwas zu sehen sein. Ryanair und ihre Töchter betreiben mehr als 470 Mittelstreckenjets, dabei handelt es sich fast durchweg um die herkömmliche Boeing 737. Von der spritsparenden Neuauflage 737 MAX haben die Iren 135 Exemplare bestellt, aber wegen des Flugverbots noch keine einzige Maschine erhalten. Nach dem Absturz zweier Flugzeuge gilt seit März 2019 ein weltweites Startverbot für die "MAX". Boeing rechnet inzwischen damit, dass das Verbot erst Mitte 2020 aufgehoben wird.

Das Zahlenwerk von Ryanair für das dritte Geschäftsquartal (bis Ende Dezember) ist eigentlich durchaus ermutigend. Die Airline hat die Zahl der Fluggäste im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 35,9 Millionen gesteigert. Beim Umsatz gab es einen Zuwachs um 21 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro.

Wieder klar in der Gewinnzone

Und nach einem Verlust von 66 Millionen Euro im Vorjahr blieben netto nun 88 Millionen Euro in der Kasse. Ryanair hat sich laut eigenen Angaben nun stark dem Thema Nachhaltigkeit angenommen. Dafür wurde eigens ein Direktorenposten geschaffen. Binnen fünf Jahren will das Unternehmen "plastikfrei" sein und seine CO2-Emissionen bis 2030 um zehn Prozent verringern.

Für das laufende Gesamtgeschäftsjahr erwartet das Unternehmen nun 154 Millionen Fluggäste und ein Ergebnis zwischen 0,95 und 1,05 Milliarden Euro. Damit hat Ryanair seine eigene Vorgabe ein wenig nach oben korrigiert.

Die Ryanair-Aktie hatte sich nach einem Mehrjahrestief im Sommer 2019 fast wieder verdoppelt. Derzeit notiert der Titel im Frankfurter Handel bei 78 Euro leicht schwächer als am Freitag.

AB