Energie

RWE Braunkohle-Kraftwerk Neurath

Vorbild Eon RWE: Aus eins mach zwei

Stand: 01.12.2015, 17:11 Uhr

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE will sich aufspalten. Damit folgt der Konzern seinem großen Rivalen Eon nach. Die Aktie haussiert.

Der Konzern aus Essen will seine Geschäftsfelder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in einer neuen - noch namenlosen - Tochtergesellschaft zusammenfassen. Zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen voraussichtlich Ende 2016 im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse gebracht werden. Weitere Verkäufe will das Unternehmen nicht ausschließen. RWE will langfristig Mehrheitsaktionär der neuen Gesellschaft bleiben und diese auch voll in seine Bilanz einbeziehen.

RWE selbst wird sich mit dem Schritt auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentrieren. Damit bleiben die ungeliebten deutschen Kernkraftwerke bei RWE. Der Konzern kann sich also nicht einfach aus der Verantwortung stehlen und das Restrisiko beim Ausstieg aus der Atomkraft dem Steuerzahler aufbürden.

Die im Dax notierte RWE-Stammaktie reagierte sehr positiv auf die Nachricht. Das Papier stieg bis zum Nachmittag um mehr als 18 Prozent. "Das ist ein kluger Schachzug von RWE", kommentierte Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment in einer ersten Reaktion. "Herr Terium sendet damit ein positives Signal an den Kapitalmarkt, die Politik und die Ratingagenturen: Verbesserte Liquiditätssituation, Sicherung des Kreditratings, Zugang zu frischen Mitteln für Wachstumsinvestionen, RWE wird wieder als glaubwürdiger Partner der Energiewende wahrgenommen, ebnet – genau wie Eon – durch Schaffung der organisatorischen Voraussetzungen den Weg zu einer Atomstiftung/Stiftungslösung für die atomaren Altlasten."

Konkurrent Eon hatte bereits im Frühjahr ähnliche Schritte angekündigt. Danach waren auch für RWE ähnliche Pläne diskutiert worden. Trotz der Parallelen bei der Aufspaltung gibt es einige Unterschiede. Bei Eon verbleiben die zukunftsträchtigen Bereiche Erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen, Energienetze und Vertrieb beim Mutterkonzern. Bei RWE ist es genau umgekehrt. RWE-Chef Peter Terium musste sich daher auch rechtfertigen: "RWE ist alles andere als eine Bad Bank", erklärte der Top-Manager auf einer Telefonkonferenz.

ME