Klimawandel Ein peruanischer Bauer kämpft gegen RWE

Stand: 30.11.2017, 13:46 Uhr

Es klingt wie der Kampf zwischen David und Goliath: Ein peruanischer Bauer klagt gegen den Energieriesen RWE. Ein Kraftwerk des Konzerns soll mitverantwortlich für den Klimawandel in den Anden sein. Nun der erste Erfolg vor Gericht - für den Peruaner.

Ein Kraftwerk von RWE soll mitverantwortlich für den Klimawandel in den Anden sein, so die Klage von Saúl Luciano Lliuya. Am Donnerstag kam der erste Teilerfolg: Das Oberlandesgericht Hamm ordnete die Beweisaufnahme an. Zuvor hatte der Senat die Klage des peruanischen Bauern für zulässig erklärt.

Lliuya wohnt in Huaraz, einer Stadt in den Anden. Das Gebiet rund um die Stadt ist zunehmend durch den Klimawandel bedroht. Denn durch die abtauenden Gletscher oberhalb der Stadt steigt der Pegel des Sees "Palcacocha" - und damit das Flutrisiko. Auch das Haus von Lliuya ist bedroht - und damit seine Existenz. RWE soll daran mitschuldig sein: Durch seine Kohlekraftwerke trage der Konzern zum erhöhten CO2-Ausstoß bei, so die Anklage.

RWE soll Schutzmaßnahmen zahlen

Dafür verlangt Lliuya von RWE die Kostenübernahme für künftige Schutzmaßnahmen. Der Anteil soll so hoch sein, wie die Höhe der weltweiten CO2-Emissionen des Konzerns – die liegen bei rund 0,47 Prozent. Insgesamt fordert der peruanische Bauer fast 24.000 Euro: 17.000 Euro für einen Gemeindeverbund und gut 6.400 Euro für die Schutzmaßnahmen an seinem eigenen Haus.

Mit dem Einstieg in die Beweisaufnahme folgt nun Schritt zwei: Der Kläger muss den Richtern beweisen, dass die Kohlekraftwerke von RWE tatsächlich mitverantwortlich für den Klimawandel in den Anden sind. 2016 war Lliuya in erster Instanz vor dem Essener Landgericht gescheitert: Es sah keinen Zusammenhang zwischen den Emissionen von RWE und der Gletscherschmelze in Huaraz. 2017 legte Lliuya am OLG Hamm Berufung ein.

Unverständnis herrscht unterdessen bei RWE. Die Klage sei nicht zulässig und unbegründet. Nach deutschem Zivilrecht könne ein einzelner Emittent nicht für allgemein verursachte und global wirkende Vorgänge wie den Klimawandel haftbar gemacht werden, so RWE. Die Börse war immerhin leicht beunruhigt: Nach Bekanntgabe der gerichtlichen Entscheidung fing der Kurs an zu bröckeln. Zeitweise fiel die Aktie sogar um rund zwei Prozent auf 19,25 Euro.

RWE produziert so viel Kohlestrom wie kein anderer deutscher Konzern. Damit gehört das Unternehmen auch zu den größten Kohlendioxid-Produzenten in Europa - und steht damit seit Jahren in der Kritik von Umweltschützern. Die Kritik scheint langsam anzukommen: Man wolle die energiepolitischen Debatte in Zukunft mehr verfolgen, so Finanzvorstand Markus Krebber bei der Vorstellung des dritten Quartalsberichts Mitte November.

jz