Braunkohleabbau in Garzweiler Audio

Trotz ungewisser Zukunft der Kohle RWE zeigt wieder Muskeln

Stand: 14.11.2017, 08:41 Uhr

Der Versorger RWE hat nach den Verlusten im Zuge der Energiewende wieder einen Milliardengewinn eingefahren - und dies liegt nicht nur an der zurückgezahlten Brennelementesteuer. Doch wie sieht die Zukunft der Kohle aus?

Die Rückzahlung der ungerechtfertigten Atomsteuer in Höhe von 1,7 Milliarden Euro hat natürlich erheblich zum Gewinn von 2,2 Milliarden Euro beigetragen, den der Versorger in den ersten neun Monaten eingefahren hat. Doch auch operativ lief es besser. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg dank eines höheren Handelsergebnisses, Kostensenkungen und den besser ausgelasteten Gaskraftwerken um 9,3 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Aktionäre können sich deshalb über eine Sonderausschüttung von 1,00 Euro je Aktie freuen.

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RWE macht wieder kräftig Kohle

"RWE hat wieder die Kraft, selbst zu gestalten", sagte Finanzchef Markus Krebber. Im vergangenen Jahr hatte der größte deutsche Stromproduzent nach Abschreibungen auf seine Kraftwerke eine Rekordverlust von 5,7 Milliarden Euro eingefahren. Doch das Blatt wendet sich. Die lange Zeit gefallenen Strom-Großhandelspreise haben etwas angezogen, was sich aber wegen des in der Regel zwei, drei Jahre im voraus verkauften Stroms erst zeitverzögert auswirken wird.

Was wird aus den Kohlekraftwerken?

Mittelfristig hängt die Zukunft von RWE allerdings entscheidend vom Ausgang der Jamaika-Verhandlungen in Berlin ab. Sollte sich die nächste Bundesregierung für einen beschleunigten Kohleausstieg aussprechen und gar ein Datum für den ausstieg nennen, würde dies RWE empfindlich treffen. Denn kein anderer deutscher Konzern produziert so viel Kohlestrom – und zudem fördert RWE noch im eigenen Tagebau Braunkohle.

Kohlekraftwerke in Deutschland

Kohlekraftwerke in Deutschland. | Bildquelle: statista.com

Finanzvorstand Markus Krebber nutzte die Vorlage des Quartalsberichts deshalb auch für einen Appell: In der energiepolitischen Debatte müssten die "Ziele Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit gleichrangig" verfolgt werden. "Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten industriellen Wertschöpfung weltweit", sagte Krebber, "die Basis hierfür ist eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. Um die Akzeptanz der Energiewende nicht zu gefährden, sollte dieses nicht außer Acht gelassen werden."

Prognose bekräftigt

In den ersten neun Monaten dieses Jahres erzielte RWE beim Strom noch niedrigere Preise als ein Jahr zuvor. Im Geschäft mit Braunkohlekraftwerken und der Kernenergie wie auch in der übrigen europäischen Erzeugung gingen die operativen Ergebnisse zurück. Im stark schwankenden Energiehandel fuhr RWE hingegen ein operatives Ergebnis von 201 Millionen Euro ein nach einem Verlust von 97 Millionen im Vorjahreszeitraum.

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RWE und Eon Gewinner im Dax 2017

Am Montag hatte die Ökostromtochter Innogy gute Zahlen vorgelegt. Zwar belastete das schwache britische Vertriebsgeschäft die RWE-Tochter weiterhin, so musste Innogy fast eine halbe Milliarde Euro auf die Sparte Npower abschreiben. Bereinigt darum konnte Innogy jedoch sein Ergebnis zum Teil deutlich verbessern.

RWE bekräftigte die Prognose für 2017. Danach soll das bereinigte Ebitda auf 5,4 bis 5,7 Milliarden Euro steigen nach 5,4 Milliarden im Jahr zuvor. Das Nettoergebnis soll bei 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro liegen nach 0,8 Milliarden Euro. Der Konzern peilt Ergebnisse am oberen Ende der Spannen an.

lg

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