RWE-Zentrale in Essen
Audio

Möglicher Innogy-Verkauf und Jamaika-Aus RWE: Nur gute Nachrichten

Stand: 20.11.2017, 08:29 Uhr

Insidern zufolge spielt der Energieversorger RWE den Verkauf von Anteilen seiner Ökostromtochter Innogy an den italienischen Konkurrenten Enel durch. RWE-Aktien legen vorbörslich signifikant zu, da auch das Jamaika-Aus positiv bewertet wird.

RWE-Anteile verteuern sich um mehr als vier Prozent und führten den Dax an. RWE profitieren zudem von einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs. Analyst Alberto Gandolfi setzte die Aktie auf die „Conviction Buy List“ gesetzt und das Kursziel bei unveränderter „Buy“-Einstufung von 26,50 auf 27,60 Euro angehoben. Die Reaktion auf Kohlekraftwerksschließungen sei übertrieben.

Außerdem hilft das Scheitern der Jamaika-Gespräche den RWE-Titeln weiter, da eine Beteiligung der Grünen an der Bundesregierung derzeit unwahrscheinlicher geworden ist. Versorger-Aktien hatten zuletzt im Zuge der Jamaika-Verhandlungen in Berlin teils unter der andauernden Diskussion über Schließungen von Kohlekraftwerken gelitten.

Was wird aus Innogy?

Vor allem aber beschäftigt die Investoren das Thema Innogy und der Verkauf von Anteilen. RWE checke die Möglichkeiten am Markt, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der italienische Konkurrent Enel schaue sich diese Option an, sagten die Insider. Beraten werde RWE bei der Suche nach strategischen Optionen von der Bank of America Merrill Lynch. "Wir haben ja schon mehrfach gesagt, dass wir mit einer Vielzahl von Markteilnehmern zu vielen Themen sprechen", sagte eine RWE-Sprecherin am Sonntag.

RWE hält noch knapp 77 Prozent an Innogy, die am Markt rund 16,8 Milliarden Euro wert sind. Der italienische Versorger könne über seine spanische Tochter Endesa Innogy-Anteile erwerben, hieß es. Entschieden sei aber nichts. Eine Enel-Sprecherin betonte, der Konzern erhalte immer wieder von Banken Vorschläge. Dies bedeute aber nicht, dass Enel interessiert sei und Gespräche führe. Innogy lehnte eine Stellungnahme ebenso ab wie Endesa und die Bank of America Merrill Lynch.

Hohe Dividendenzahlung

Rolf Martin Schmitz, Vorstand RWE AG

Rolf Martin Schmitz. | Bildquelle: Unternehmen

RWE hatte zwar erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass es derzeit keine Notwendigkeit gebe, Innogy-Anteile zu verkaufen. Konzernchef Rolf Martin Schmitz hat eine weitere Veräußerung von Anteilen jedoch nicht ausgeschlossen. Im Gegenzug müsse RWE dafür aber etwas Besseres bekommen. Innogy habe für 2016 immerhin eine Dividendensumme von 680 Millionen Euro an den Mutterkonzern gezahlt. "So kann es Sinn machen, auf längere Sicht ein breiter gestreutes Finanzportfolio aufzubauen mit ähnlicher Renditeerwartung, als nur auf eine Gesellschaft zu setzen, was ein vernünftiger Rentenfonds auch machen würde", hatte er gesagt.

Innogy gilt mit seinen Geschäften aus Erneuerbarer Energie, Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb als begehrtes Übernahmeziel in Europa. Der größte italienische Versorger Enel will in den Bereichen wachsen.

ts