RWE-Zentrale in Essen

Energieschub für die Aktie RWE winkt milliardenschwere Entschädigung

Stand: 10.01.2020, 16:15 Uhr

Die RWE-Aktien sind zum Wochenschluss gefragt. Laut Regierungskreisen könnte dem Versorger für den Kohleausstieg bis zu zwei Milliarden Euro an Entschädigung erhalten. Das wäre mehr als erwartet.

Bei den Verhandlungen über die Entschädigung der Braunkohle-Unternehmen sei Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dem Vernehmen nach mit dem Essener Energiekonzern weitgehend handelseinig, berichtete die "Rheinische Post" am Freitag. Der RWE-Konzern könne für das Aus von Anlagen mit rund 2,5 Gigawatt Leistung bis Ende 2022 mit rund zwei Milliarden Euro rechnen, sagten Regierungs- und Branchenvertreter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Zusätzlich solle der Bund die Sozialpläne für 3000 Mitarbeiter in Kraftwerken und vor allem Tagebauen mit 700 Millionen Euro finanzieren. Offen ist demnach noch, wie weitere 0,5 Gigawatt Braunkohle-Kapazität bis Ende 2022 stillgelegt werden können, was die Kohlekommission der Regierung für den Klimaschutz vorgesehen hat.

Halbe Milliarde mehr als erwartet

Sollten RWE tatsächlich zwei Milliarden Euro erhalten, wäre das wohl deutlich mehr als am Markt erwartet. Analyst Alberto Gandolfi von der Investmentbank Goldman Sachs hatte jüngst rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt und geschrieben, dass dies wohl auch in etwa die Summe sei, die Investoren erwarteten. Je 600 Millionen Euro mehr würden den Wert je Aktie um einen Euro steigern. Der Experte sieht ebenso wie Barclays Analyst Peter Crampton Klarheit in puncto Entschädigung für den Kohleausstieg als einen wesentlichen Kurstreiber.

Die Hoffnung auf eine hohe Entschädigung für den Kohleausstieg beflügelt am Freitag die Aktien von RWE. Sie steigen um fast sechs Prozent auf 29,13 Euro, den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Auf Ein-Jahres-Sicht haben die Titel des Versorgers fast 40 Prozent zugelegt.

Möglicher Übernahmekandidat?

Die Investmentbank Goldman Sachs sieht den Energiekonzern als möglichen Übernahmekandidaten. RWE gehöre wie der britische Versorger SSE und EDP aus Portugal zu den Unternehmen, die in einem Marktumfeld mit geringem Risiko hohe Gewinne erzielen könnten, deren Börsenwert aber relativ gering sei, hieß es in einer Studie der Bank. RWE ist an der Börse knapp 17 Milliarden Euro wert. Der größte deutsche Stromproduzent will in den kommenden Jahren das Geschäft mit erneuerbarer Energie stark ausbauen. RWE ist bereits hinter der spanischen Iberdrola und der italienischen Enel der drittgrößte Ökostromkonzern in Europa.

Analysten empfehlen RWE

Das Bankhaus Metzler hat die Einstufung für RWE auf "Buy" mit einem Kursziel von 34,70 Euro belassen. Die sich abzeichnende Einigung über Ausgleichszahlungen für den Kohleausstieg könnte den Startschuss für eine Neueinschätzung der Aktie liefern, schrieb Analyst Guido Hoymann am Freitag. Eine Entschädigung von 2 Milliarden Euro, wie in den Medien berichtet, wäre etwas höher als erwartet und sollte den Kurs stützen.

Auch die britische Investmentbank Barclays sieht noch Potenzial für die RWE-Aktien. Sie bestätigte die Aktie auf "Overweight" mit einem Kursziel von 30 Euro. Nach Medienberichten über eine bevorstehende Einigung mit der Bundesregierung auf Kompensationszahlungen von rund zwei Milliarden Euro für den Kohleausstieg erwarte er Auftrieb für die Papiere des deutschen Energieversorgers, schrieb Analyst Peter Crampton.

nb