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Sinkende Kosten, steigende Preise RWE trotzt Pessimisten

Stand: 15.05.2019, 07:25 Uhr

Von wegen Belastungen. Deutschlands größter Stromkonzern RWE hat im ersten Quartal trotz der Proteste im Hambacher Forst erstaunlich gut verdient - allerdings ohne die Tochter Innogy, die demnächst von Eon übernommen wird.

Das bereinigte Ebitda stieg von 299 Millionen auf 520 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Morgen mitteilte. Der bereinigte Gewinn stieg von 78 Millionen auf 273 Millionen Euro. Damit hat der Stromkonzern deutlich mehr verdient als erwartet.

Analysten hatten wegen der Proteste im Tagebaugebiet um den Hambacher Forst und den damit verbundenen Unterbrechungen der Förderung mit Belastungen gerechnet. Sie waren im Schnitt von einem Ergebnis von 302 Millionen Euro ausgegangen.

Höhere Handelspreise

Doch RWE konnte die gesunkene Kohlestromproduktion durch höhere Großhandelspreise ausgleichen. Auch beziehen sich die Zahlen auf "RWE alleine", also ohne die Tochter Innogy, die derzeit von Eon übernommen wird. Die Bilanz enthält die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel.

Einen wesentlichen Anteil an der Ergebnissteigerung hat das Handelsgeschäft. Dies steigerte sein operatives Ergebnis auf 255 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 24 Millionen Euro vor Jahresfrist. Im Gesamtjahr könne die Sparte am oberen Ende der Prognose von 100 bis 300 Millionen Euro liegen, so das Unternehmen.

Stromproduktion gesunken

In der Sparte europäische Erzeugung schrumpfte das Ergebnis, unter anderem wegen einer geringeren Stromproduktion, auf 63 von zuvor 159 Millionen Euro. Durch den Rodungsstopp im Hambacher Forst ging die Baunkohlestromproduktion im ersten Quartal weiter zurück. Hier erwartet RWE im Gesamtjahr ein Ergebnis am unteren Ende der Spanne von 250 bis 350 Millionen Euro.

Finanzchef Markus Krebber bekräftigte die Gewinn- und Dividendenprognose für 2019. Danach soll etwa das bereinigte Ebitda bei 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro liegen und die Dividende auf 80 von zuletzt 70 Cent je Anteilsschein steigen. Der Reingewinn wird zwischen 300 und 600 Millionen Euro erwartet.

Unter Druck

Auch die Vorbereitung der Integration des Geschäfts mit erneuerbaren Energien komme gut voran, sagte Krebber. RWE will im Zuge des Megadeals mit Eon das Ökostromgeschäft des Konkurrenten und das der eigenen Tochter Innogy übernehmen. Während der RWE betreffende Teil bereits von der europäischen Wettbewerbsbehörde genehmigt wurde, steht dies für Eon noch aus. Die EU-Kommission prüft den Teil vertieft und will bis Ende August darüber entscheiden.

Wegen der von der Bundesregierung verordneten Energiewende stehen die Versorger wie RWE allerdings unter erheblichen Druck. So brach das Ebitda im vergangenen Jahr um 28,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro ein. Der Überschuss ging gar um 82,4 Prozent auf 335 Millionen Euro zurück.

lg