Umweltschützer protestieren gegen RWE, Garzweiler

Corona-bedingte virtuelle HV Umweltschützer wütend auf RWE

Stand: 26.06.2020, 13:20 Uhr

RWE-Chef Schmitz sieht den Versorger auf dem Weg zu einem der größten Ökostrom-Konzerne Europas. Da RWE-Kritiker aus der Umweltbewegung vor Ort nicht protestieren können, wählten sie einen anderen Weg. Auch Aktionäre übten Kritik.

Die Gegner der Kohleverstromung in Deutschland lassen auch nach dem beschlossenen Kohleausstieg nicht locker. Mitglieder der Organisationen "Ende Gelände" und "Einsatz Kohlestopp" besetzten heute anlässlich der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE Bagger im Braunkohletagebau Garzweiler.

Auch in der Lausitz in Ostdeutschland gebe es Protestaktionen, teilten die Umweltschützer mit. Die Proteste richteten sich gegen das Kohlegesetz, das am 3. Juli vom Bundestag beschlossen werden soll. Danach soll die Kohleverstromung hierzulande bis 2038 beendet werden, wofür der Staat die Versorger mit Milliardensummen entschädigt.

Innogy-Deal vor dem Abschluss

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hob dagegen hervor, dass sich der Versorger derzeit zu einem der größten Ökostromkonzerne Europas wandele. "Wir wollen fünf Milliarden Euro netto in Erneuerbare Energien und Speicher investieren", erklärte der Manager auf der Hauptversammlung. "Allein für Projekte in Deutschland sind 20 Prozent unserer Nettoinvestitionen vorgesehen, also rund 1 Milliarde Euro." Seine weltweit installierten Kapazitäten von Wind und Sonne will RWE von rund neun auf über 13 Gigawatt steigen.

Auch die neue Aufteilung der Geschäftsfelder der beiden deutschen Energieriesen Eon und RWE steht kurz vor dem Abschluss. "Am kommenden Dienstag folgt der Schlussakkord", sagte Schmitz. Dann werde der Geschäftsbereich erneuerbare Energien von der zerschlagenen RWE-Tochter Innogy zu RWE zurückkommen.

Eon und RWE hatten im März 2018 einen weit reichenden Austausch von Geschäftsfeldern vereinbart und dazu die RWE-Tochter Innogy unter sich aufgeteilt. Eon übernahm die Energienetze und das Endkundengeschäft von Innogy und reichte zunächst die eigenen erneuerbaren Energien an RWE weiter. Zum Abschluss des Deals wechseln jetzt Windparks und Solaranlagen von Innogy und deren Mitarbeiter zu RWE.

Rolf Martin Schmitz, Vorstand RWE AG

Rolf Martin Schmitz. | Bildquelle: Unternehmen

"Dividendenrendite ist unattraktiv geworden"

Die Aktionäre konnte Schmitz, der im kommenden Jahr die Führung an Finanzchef Markus Krebber abgibt, nur teilweise überzeugen. "RWE braucht eine neue Equity Story", forderte der Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, Thomas Deser. Der Kapitalmarkt wisse nicht mehr, wofür RWE eigentlich stehe.

"Die Dividendenrendite ist unattraktiv geworden. RWE ist kein Dividendentitel mehr und auf Jahre auch noch kein Erneuerbare-Energien-Titel", kritisiert Deser weiter. Hinzu komme ein kompliziertes Trading-Geschäft und der Einfluss der Politik. "Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes."

Jahresziele bekräftigt

Schmitz bekräftige die Jahresziele, wonach 2020 das bereinigte Ebitda zwischen 2,7 und 3,0 Milliarden Euro erreichen soll. Er betonte, dass der Versorger vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen sei. "Auch wenn in den letzten Monaten die Stromnachfrage etwas zurückgegangen ist, so hat Corona aktuell kaum Einfluss auf unser operatives Geschäft." Das Geschäftsmodell habe sich als robust erwiesen.

Während der virtuellen Hauptversammlung kam es nach den Worten von Aufsichtsratschef Werner Brandt auch zu einem einen externen Angriff auf das Übertragungssystem. Dadurch sei es zu Beginn der Live-Übertragung im Internet zu Störungen gekommen. Die getroffenen Vorkehrungen hätten aber schnell gegriffen, so dass die Störung rasch behoben worden sei, so Braun.

ts