RWE-Zentrale in Essen

Trotz Milliardengewinns 2019 RWE-Ausblick enttäuscht

Stand: 12.03.2020, 15:15 Uhr

Enttäuschende Aussagen von RWE zum Jahr 2020 und darüber hinaus haben im bereits tiefroten und hochnervösen Gesamtmarkt die Anleger am Donnerstag zusätzlich verschreckt. Auch die Dividende enttäuscht.

Es ist fast wie in alten Zeiten: RWE scheffelt wieder einen Milliardenüberschuss. Im abgelaufenen Jahr konnte der Versorger den bereinigten Gewinn von 581 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro erhöhen. Das bereinigte Ebitda kletterte von 1,5 auf 2,1 Milliarden Euro.

Dividende nicht hoch genug?

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktionäre sollen am Gewinnsprung teilhaben. Ihnen winkt eine um zehn Cent höhere Dividende von 80 Cent je Aktie. Für 2020 peilt der Konzern eine Dividende von 85 Cent je Papier und ein Ebitda von 2,7 bis 3,0 Milliarden Euro an. Händler zeigten sich enttäuscht. Sie hatten sich etwas mehr versprochen.

Im vergangenen Jahr profitierte der Versorger insbesondere vom Energiehandel. Hier wurde mit 702 Millionen Euro das Gros der Gewinne eingefahren. Im Vorjahr waren es nur 183 Millionen Euro gewesen. Der Bereich Braunkohle & Kernenergie lieferte mit 374 Millionen Euro ebenfalls einen kräftigen Gewinnbeitrag.

Letzte Bilanz der alten RWE

Der Versorger befindet sich im Umbruch. Künftig wird der einstige Kohlekonzern zum Ökoriesen. RWE übernimmt im Tauschgeschäft mit Eon deren Ökostromerzeugung. Die Bilanz für 2019 legt RWE letztmalig als "Stand Alone"-Zahlen vor. Darin enthalten sind die Segmente Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie der Energiehandel. Die Tochter Innogy, die zerschlagen wird, ist operativ nicht mehr enthalten. Nur die Dividende wird dazu gezählt. Ab dem laufenden Jahr werden die Zahlen dann für den neuen Konzern inklusive erneuerbare Energien ausgegeben.

Bis 2022 wolle RWE das Geschäft mit Erneuerbarer Energie mit fünf Milliarden Euro weiter ausbauen, kündigte der Konzern an."Wir verfügen über eine ausgezeichnete Basis, um unser Kerngeschäft weiter konsequent auszubauen und werthaltig zu wachsen", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz.

RWE verfügt bereits über Wind- und Solaranlagen mit einer Leistung von neun Gigawatt. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als vier Gigawatt hinzukommen. Insbesondere in den USA sieht der Konzern Wachstumschancen, auch Asien mit Märkten in Japan, Taiwan, Südkorea und Australien hat RWE im Visier. Schmitz versuchte, Sorgen vor einem Fehlschlag zu zerstreuen, wie ihn der Konzern vor Jahren beim Ausflug in die amerikanische Wasserversorgung erlebt hat. "Mein Eindruck ist, dass RWE zu der Zeit noch ein sehr deutscher Konzern war. Man hat im Ausland Geschäft gekauft und geglaubt, dass das dann einfach so weiterläuft, nur eben unter dem Dach einer anderen Konzernmutter. Das funktioniert aber nicht."

Aktien machen schlapp

Die Aktien von RWE brechen am Donnerstag um zwölf Prozent ein und fallen auf den tiefsten Stand seit August 2019. Im Sog des Corona-Crashs sind die Versorgertitel zuletzt kräftig abgesackt. Analysten sprachen zwar von starken Ergebniszahlen 2019, kritisierten aber unter anderem die Dividende. Die für 2020 in Aussicht gestellten 0,85 Euro je Aktie lägen unter den Erwartungen. Auch den Geschäftsausblick nannten einige "schwach".

Goldman-Sachs-Experte Alberto Gandolfi rechnet nun damit, dass die Konsensschätzungen sinken. Etwa die Hälfte des Abschlages dürfte dem geringer als erwarteten operativen Ergebnis aus dem althergebrachten Stromerzeugungsgeschäft, also etwa Kohlekraftwerken, geschuldet sein, ergänzte er. Von daher sei dies aber ein leicht mildernder Faktor, denn strukturelle Bedenken im Kerngeschäft Erneuerbare Energien sehe er nicht.

nb